Nachruf

Andreas Meck (1959-2019)

Worüber sprachen wir, als wir uns im Schatten jenes ungemein hohen Baums im Haidhauser Hinterhof verabschiedeten? Gerade hatte mir Andreas Meck im bemerkenswert einfachen Besprechungsraum seines Münchner Büros die konstruktiven Bedingungen für den prismatischen Dachkörper des neuen Kirchenzentrums in Poing erklärt. Wir hatten über die Institution Kirche gesprochen, ihre lange Tradition und ihre kulturelle, stadt- und gemeinschaftsbildende Leistung, auf die der Architekt großes Vertrauen setzte. Vertrauen, das sich immer wieder in einmaligen, konzentrierten Licht- und Hofräumen ausdrückte. 2008 im Dominikus-Zentrum und im Pfarrzentrum Sankt Nikolaus in Neuried genauso wie in seinem jüngsten Kirchenbau, dem Kirchenzentrum Seliger Pater Rupert Meyer in Poing. Dieses letzte glänzend ausstrahlende Werk wurde im Mai dieses Jahres vom Bund Deutscher Architekten mit der Großen Nike, einem der bedeutendsten Architekturpreise des Landes, ausgezeichnet.

Wann immer man sich mit Andreas Meck in einer seiner Architekturen verabredet hatte, ließ man sich gerne von der Klarheit seiner Ortsbestimmung, seinen Qualitätsansprüchen, der bewussten Materialwahl und deren räumlichen Anmutung überzeugen. Es ist Andreas Meck, seit 2011 mit Axel Frühauf, gelungen, manchem Nicht-Ort Richtung und Mitte zu geben und manchen schon fast verlorenen Dorfkern – wie zuletzt in Maitenbeth – bewahrend neu zu bestimmen. Zu seinen beglückendsten Arbeiten gehört sicher die kleine Heustadlsuite in Bruck 2011, zu den schwierigsten Aufgaben wohl das gemeinsam mit Axel Frühauf realisierte Ehrendenkmal der Bundeswehr in Berlin 2009.

Vor einem Jahr beim Abschied unter dem hohen Baum im Haidhauser Hinterhof sprachen wir über die Verengung der Lebensräume im Quartier, über Spekulation, Nachverdichtung, den Verlust von Qualität. Wir sprachen aber auch über sein letztes Seminar an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften München, wo Andreas Meck seit 1998 als Professor für Entwerfen und Baukonstruktion und ab 2013 als Dekan der Architekturfakultät tätig war. Seinen Studenten hatte er die Aufgabe gestellt, für das verwaiste Anwesen seines Lehrers, des Bildhauers Fritz Koenig, auf dem Landshuter Ganselberg die Zukunft eines Künstlerhauses zu entwerfen. In der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, deren Mitglied Meck seit 2007 war, hatte er sich gleichfalls für den Erhalt des Gesamtkunstwerks Ganselberg stark gemacht.

Seine leise, beharrliche, zugewandt fragende Stimme wird in vielen Baukulturdiskussionen und Jurys fehlen.

Andreas Meck verstarb überraschend am 20. August.

~Ira Mazzoni