Energiesparen

Aus 150 Jahren db

Mit unserer neuen Kolumne, in der wir während des Jubiläumsjahrs jeden Monat einen Blick auf Themen aus der Geschichte der db werfen wollen, springen wir diesmal mitten hinein ins Jahr 1980. Damals war die db abgesehen vom Titel und einigen besonderen Bildern noch schwarzweiß, die Bilder eher klein – der Platz gehörte v. a. dem Wort. Und so prägten detaillierte Ausführungen und ausführliche Diskussionen, die sich als Rede und Gegenrede, Leserbrief und Antwort darauf durchaus auch über mehrere Hefte erstrecken konnten, die Erscheinung.

Allgegenwärtiges Thema war zu dieser Zeit das Energiesparen. Der Ölschock saß allen nachhaltig in den Knochen, Architektenschaft, Industrie und sogar der Gesetzgeber arbeiteten mit Hochdruck an der Anpassung an die neue Situation. Die db trug fleißig Fakten, Meinungen und Projekte zusammen. Die architektonischen Vorschläge reichten beispielsweise vom Verwaltungsbau mit Klimafassade bis zum Solarhaus (natürlich mit zeitgenössischem Touch, aber gar nicht so »öko«, wie man denken könnte), es wurde gezeigt, wie andernorts klimagerecht gebaut wurde (im Iran, in Finnland) und wie in unserer eigenen Baugeschichte örtliche Materialien in über die Jahrtausende gewachsener Handwerkstechnik bauphysikalisch korrekt verarbeitet wurden. Auch ein ökologisch motivierter Städtebau wurde propagiert – wenn auch die Andeutung, das Einfamilienhaus sei dem Hochhaus insofern vorzuziehen, als Hochhausbewohner sich drei von vier Wochenenden ins Auto setzten, um sich anderswo zu erholen, während die Eigenheimbesitzer glücklich zu Hause im Garten blieben, aus heutiger Sicht ein bisschen seltsam anmutet. Aber gut – in jeder Umbruchzeit steht die Methode »Versuch und Irrtum« hoch im Kurs. Ebenfalls in diese Kategorie fällt wohl das Urteil des Autors einer Strecke, die seitenweise Aluminiumprofile zeigte, teils mit neumodischer thermischer Trennung. Er konstatierte deren verstärktes Auftreten, nicht ohne zu bemerken, dass Ganzaluminiumfenster »seit Jahrzehnten bewährt« seien.
Kommt Ihnen das alles bekannt vor? Jawohl. Wir haben nie mehr aufgehört, uns mit energieeffizientem Bauen zu beschäftigen, auch wenn die EnEV, die seit diesem Jahr wiederum 25 % niedrigere U-Werte fordert (0,21 statt 0,28 für Außenwände, was macht das für einen Unterschied?), uns nun unter der Prämisse des Klimaschutzes verkauft wird und nicht mehr des Sparens von Energie. Nicht umsonst hat die db seit Jahren eine eigene Rubrik »Energie«, ergänzt durch die db-Metamorphose-Rubrik »Energetisch sanieren« (s. S. 122). Hier ordnen wir die wichtigsten Entwicklungen und ihre Anwendungen ein – eine Tradition, die auch schon vor 36 Jahren gepflegt wurde. Der Autor, der damals über die »Fensterbau ’80« wandelte, warf nicht nur Schlaglichter auf die wichtigsten Neuentwicklungen – v. a. natürlich das Kunststofffenster, übrigens schon damals mit »im Kommen« begriffener Dreifachverglasung mit einem U-Wert von 1,6 –, sondern bewertete sie auch mit der nötigen kritischen Distanz zur Industrie.
Die Industrie ihrerseits erging sich netterweise in ganzseitigen Anzeigen, um Wärmepumpen und Fußbodenheizungen, EPS und Polystyrol an den Architekten und Ingenieur zu bringen – immer auch begleitet von Kommentaren der Leser, die ihre eigenen Erfahrungen einbrachten. Kuriose Blüten trieb die Beschäftigung mit den neuen Materialien auch: Ein Architekt etwa fühlte sich vom propagierten Polystyrol dazu inspiriert, eine Skulptur in Form eines riesigen Kopfs zu formen – eine Idee, auf die heute niemand mehr kommen würde, wo sich die Debatten zwischenzeitlich auf Brennbarkeit, potenzielle Veralgung und Recyclingfähigkeit des Baustoffs verengt haben. Aber weiter ging es doch: Dass man das Material auch ganz anders betrachten kann (muss!), zeigte die db mit ihren Webkongressen 2010, 2011 und 2012, auf denen Architekten, Wissenschaftler und Sachverständige demonstrierten, wie man sinnvoll, sicher und ästhetisch anspruchsvoll mit WDVS umgehen kann. Noch eine oder zwei Runden weiter drehte die db das Thema mit ihren Kongressen zur Suffizienz 2014 und 2015, die das zeitgenössische Bauen über das Sparen von Energie, den Begriff der Nachhaltigkeit und den Klimaschutz hinaus deutlich ganzheitlicher als lebensverändernd definierten.
Neugier und Diskurs, Versuch und Irrtum – das hat die db damals geprägt, und so bleiben wir auch. Auf ein fröhliches gemeinsames Jubiläumsjahr! ~dr