Aus 150 Jahren db

»Feuilletonist der Deutschen Bauzeitung soll ich werden? – Eine schöne und lohnende, aber auch eine schwierige und gefährliche Aufgabe, die Sie mir da gestellt haben, meine Herren Herausgeber!« So begann der erste Brief von Philalethes Bleifeder, der im Januar 1868 im seinerzeit neu geschaffenen Feuilletonteil erschien. Erstaunlich ist, wie viele seiner Sätze auch heute noch Bestand haben. »Der Gedanke ist gar so übel nicht, dass Sie das starre Gerüst der ernsten und gemessenen Aufsätze Ihres Blattes mit der Fülle üppigen Lebens (…) umwinden wollen, an deren buntem Schmucke ein architektonisches Herz sich ergötzen kann, wenn Kunst und Wissenschaft allein es einmal gar zu trocken anmuthen.« Zwar gibt es kein Feuilleton mehr in der db, doch hält diese Darstellungsform unsere Kommentare, Interviews, Rezensionen, Essays und Auslandskorrespondenzen oder eben sämtliche Architekturkritiken im Themenschwerpunkt zusammen. So stellen wir das Bauen in jedem Heft in den Kontext kultureller, gesellschaftskritischer oder sozialer Gegebenheiten. Dass dafür Architekturkritiker besser geeignet sind als die Planer selbst, auch dafür hatte Bleifeder eine Begründung: »Und die Feder des Architekten, mit welcher er der Akten und der Erläuterungsberichte (…) so viele geschrieben, (…) sie ist leider ein gar zu schwerfällig und unbehülflich Instrument für so subtile Arbeit!« Dass »der arme Feuilletonist« es jedoch nicht leicht hat, denn »man wird loben und tadeln müssen«, war auch ihm schon klar: »Außer den Schauspielern wüsste ich nicht bald ein also empfindliches Völkchen, als unsere lieben Fachgenossen, zumal wenn ihre Künstlereifersucht erregt wird. (…) Allen es recht zu machen, es wäre ein Werk, des Schweisses der Edlen werth«. Doch trotz dessen blieb ihm »ein stolzes, herzerbebendes Gefühl, frei von der Seele herunter zu Tausenden seiner Fachgenossen sprechen zu dürfen. So sei es drum – ich will das Werk versuchen! Vielleicht wachsen auch mir die Schwingen im Fluge«. Auch wir wollen unser Werk weiter versuchen, liebe Leser, um Ihr architektonisches Herz zu ergötzen. Wenn das einmal nicht gut gelingen sollte oder besonders gut gelungen ist, nur zu! Wir freuen uns über jeden Leserbrief. Vielleicht wachsen auch Ihnen dann die Schwingen …? ~cf