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... Berlin

Französische Botschaft

standort: Pariser Platz 5 / Wilhelmstraße 69
architekten: Christian de Portzamparc, Paris
Eröffnung: Januar 2003

An den Vorkriegsbau habe er erinnern wollen, erklärt der Architekt die seltsame Fassade an der »guten Stube« Berlins. Zwar ist ihm damit ein Entwurf gelungen, der sich von den braveren Nachbarn abhebt, der jedoch dem genauen Blick nicht standhält – zu billig das blecherne Vordach, zu banal die röhrenartige Dachaufkantung, zu zwanghaft aufgesattelt die Obergeschosse. Pfiff haben nur die einseitig abgeschrägten Fenster, die alle zum Brandenburger Tor hinüberzuschielen scheinen. Viel versprechend die Eingangshalle mit einer eleganten Treppenanlage in gekonnter Materialwahl, doch oben angekommen, fehlt der Empfang. Man steht auf engem Podest vor einem unmotivierten Sonnensegel (Nordseite!), das den befreienden Blick in den Gartenhof verhängt. Linkerhand der Vorraum des mehrteiligen Saales, dem es deutlich an Raumhöhe mangelt, was dem Repräsentationsbedürfnis der Grande Nation höchst abträglich sein dürfte. Eng geht es auch im hinteren Teil des zur Wilhelmstraße hin abgewinkelten, dreiseits eingemauerten Grundstücks zu: Drei Querflügel und ein Längstrakt geben Kanzlei, Residenz, Konsulat und einem Theater Raum.
Putz, Glas, Spiegelflächen, Metall, Lamellen; Portzamparc hat wieder seine Material- und Farbfreude ausgelebt, was dem Bau wirklich nicht zum Vorteil gereichte.

Falk Jaeger, db 4|03