Wettbewerbsdokumentation Bauen-im-Bestand-Preis

Wer hat gewonnen? Und warum?

Durch knapp 300 Einreichungen wühlten sich die Juroren des db-Architekturpreises »Respekt und Perspektive«. Was die 10 Siegerprojekte von ihren rund 290 Mitbewerbern unterscheidet, erfahren Sie in der frisch erschienenen Wettbewerbsdokumentation.

Diesem Thema widmet sich der aktuelle Heftteil db-metamorphose in Ausgabe 12.2016 der db.

AUS DEM INHALT:

FOKUS
Jurybericht

PREISE

HOTEL NOMAD IN BASEL (CH)
{Buchner Bündler Architekten

Bei der Umnutzung eines Apartmenthauses zum Vier-Sterne-Hotel gingen Buchner Bründler Architekten äußerst einfühlsam mit der denkmalgeschützten Bausubstanz aus den 50er Jahren um. Zeitschichten und Brüche lassen sich ablesen, aber erst auf den zweiten Blick: Neue Elemente wie die Aluminiumfenster oder das Attikageschoss zeichnen sich dezent als heutige Ergänzungen ab, der geänderte Standort des Treppenhauses macht sich mit Betonkassetten in der Rückfassade bemerkbar. Der Erweiterungsbau im Hinterhof variiert mit vorgesetzten Fenstern und unterschiedlichen Betonoberflächen Merkmale des Bestands, sodass ein harmonisches Ensemble entsteht.

HANSEMUSEUM IN LÜBECK
{Andreas Heller Architects & Designers

Die Vielschichtigkeit der Bauaufgabe auf historisch bedeutendem Areal präsentiert sich als fein austariertes Ensemble von Freiräumen, behutsam sanierten Baudenkmalen sowie einem Museumsneubau. Auf den heterogenen Bestand aus unterschiedlichen Epochen reagiert Andreas Heller mit differenzierten Herangehensweisen – von der Integration einer archäologischen Grabungsstätte über die restauratorische Instandsetzung mittelalterlicher Mauern bis zur Ergänzung neuer Fassaden aus Baubronze. Die Gestalt des Erweiterungsbaus leitet sich nachvollziehbar vom Bestand ab, ohne ihn zu kopieren.

VERWALTUNGSGEBÄUDE IN SAARBRÜCKEN
{BAYER & STROBEL ARCHITEKTEN

Hier ist ein öffentlicher Bauherr seiner Vorbildfunktion gerecht geworden. Beispielhaft führt der Sitz des Saarbrücker Bauaufsichtsamts vor, wie sich ein belangloses Bürohaus in einen ansprechenden Stadtbaustein verwandeln lässt. BAYER & STROBEL ARCHITEKTEN haben die vorhandene Rohbausubstanz weitergenutzt, transformiert und mit einfachen Gestaltungsmitteln ein einladendes Gebäude geschaffen, das sich ruhig und bescheiden in sein Umfeld einfügt. Die besondere Relevanz des Projekts liegt im Umgang mit dem Erbe der frühen Nachkriegsmoderne, einer Epoche, die in Deutschland immerhin 23 % des heutigen Gebäudebestands ausmacht.

ANERKENNUNGEN

WOHNHAUS IN OBSTALDEN (CH)
{lilitt bollinger studio

Geschickt nutzte Lilitt Bollinger bei einem ehemaligen Stall die Fähigkeit des alten Dachtragwerks, weite Distanzen zu überspannen. Sie entfernte überflüssige Zwischenwände eines früheren Umbaus und schuf im Innern einen großzügigen Wohnraum, der die ursprüngliche Proportion des Stalls anklingen lässt. Mit preiswerten Materialien hat sie dabei eine banale Ausgangsarchitektur deutlich aufgewertet.

GROSSSIEDLUNGSBAU IN HAMBURG
{CARSTEN ROTH ARCHITEKT

Geschosswohnungsbau der 70er Jahre energetisch zu sanieren, ist eine Aufgabe, die tausendfach ansteht. Selten bringt jemand diesem unpopulären Erbe so viel Respekt entgegen wie CARSTEN ROTH. Durch subtile Eingriffe in Fassaden und Balkone wertete er den Bestand deutlich auf, ohne dabei den ursprünglichen seriellen Charakter der Fertigteilarchitektur zu verleugnen.

EFFIZIENZHAUS PLUS IN NEU-ULM
{o5 Architekten BDA – Raab Hafke Lang

Erstmals in Deutschland wurde ein bestehendes Mehrfamilienhaus so umgebaut, dass es mehr Energie erzeugt als verbraucht. Mit marktgängigen Systemen und ohne gewagte Technik-Experimente haben o5 Architekten alltagstaugliche Wohnungen geschaffen. Dabei ist es gelungen, trotz hohem Kostendruck den Wohnwert deutlich zu steigern.

MEHRFAMILIENHAUS IN WINTERTHUR (CH)
{Schneider Gmür Architekten

Bei der Erweiterung eines Wohnhauses greifen Schneider Gmür Architekten charakteristische Elemente wie den großen Überstand des dominanten Satteldaches auf, interpretieren sie im Anbau neu und fügen das Ganze zu einer stimmigen Einheit. Das Projekt zeigt, wie sich suburbane Nachverdichtung ortsbildverträglich gestalten lässt. Ganz nebenbei entwickeln die Architekten dabei einen neuen Typus des Wohnens am Hang.

INFOPOINT BBT IN FRANZENSFESTE (I)
{Markus Scherer

Wiederaufbau vom Feinsten: Ein vor Jahrzehnten zerstörtes Gebäude innerhalb einer Festung hat Markus Scherer in neuer Form auferstehen lassen, um die Anlage zu Ausstellungszwecken zu erschließen. Die schwere Hülle aus rauem Beton passt sich farblich und haptisch der wehrhaften Festungsarchitektur an – eine fünfte unterirdische Fassade zu einem Tunnel verwendet dort ausgebrochenes Gestein als Gabionenwand.

LESSINGGYMNASIUM IN FRANKFURT A.M.
{Meixner Schlüter Wendt Architekten

Ein neuer Lösungsansatz für die Standardaufgabe Schulsanierung: Der Bodenbelag des Pausenhofs und die Fassade des Klassentrakts bilden eine Einheit, sie verbinden sich zu einer mehrfach abknickenden Fläche, die den Außenraum einfasst. Mit einfachen Mitteln haben Meixner Schlüter Wendt Architekten das Schulgebäude überformt und ihm einen starken neuen Charakter gegeben. Das Gestaltungsthema der Faltung ist dabei sinnfällig von der denkmalgeschützten Aula und ihrem Betonfaltwerk abgeleitet.

TANKTURM IN HEIDELBERG
{AAG LoebnerSchäferWeber

Werden Industriebauten aufgegeben, ist es alles andere als einfach, eine passende neue Nutzung zu finden. Auf Initiative der AAg LoebnerSchäferWeber wurde der beinahe 30-jährige Leerstand eines denkmalgeschützten Bahnwasserturms beendet. Er dient jetzt als Kulturzentrum und Büroraum. Dank präziser punktueller Eingriffe konnte viel Originalsubstanz und Patina bewahrt werden.