Thesenfreudiges Buch mit Denkanstößen für die Baubranche

Verbietet das Bauen!

Umbau statt Neubau – das ist die zentrale Forderung einer Streitschrift, die kürzlich im oekom Verlag erschienen ist. Daniel Fuhrhop erläutert darin, warum der Verzicht auf jegliche Neubautätigkeit nicht nur sinnvoll, sondern auch möglich ist.

Ganz neu ist die Forderung nicht: »Hört auf zu bauen!« war schon 1967 auf einem Transparent zu lesen, das auf einem Kongress an der TU Berlin entrollt wurde. Geholfen hat es nichts, auch heute noch wird in Deutschland jeden Tag die Fläche von 113 Fußballfeldern versiegelt und bebaut. Doch in Zeiten von Ökobilanzen und Nachhaltigkeitszertifikaten lässt sich der Umweltschaden, den Bauprojekte anrichten, genauer berechnen. Daniel Fuhrhop erhebt seine vehemente Forderung, statt auf Neubau nur noch auf Sanierung und Umnutzung zu setzen, daher in einem ganz anderen Kontext. Seit 2013 betreibt er den Blog »Verbietet das Bauen!«, nun hat er ein vertiefendes Buch dazu veröffentlicht.

Er vertritt die These, dass es hierzulande genug leerstehende oder unzureichend genutzte Gebäude gäbe, um den gesamten Raumbedarf aller Privatpersonen, Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen zu decken. Sowohl auf regional- und stadtplanerischer Ebene als auch beim Einzelbauwerk ließen sich mit neuen Ideen Raumreserven aktivieren, die Abriss und Neubau überflüssig machen. Fuhrhop belässt es nicht bei theoretischen Appellen, sondern unterbreitet konkrete Vorschläge und nennt viele Einzelbeispiele, die bereits heute aufzeigen, wie wir den Gebäudebestand besser nutzen können. Die westfälische Gemeinde Hiddenhausen etwa, die mit Bevölkerungsschwund und großem Immobilienleerstand zu kämpfen hatte, zahlt seit 2007 Zuschüsse von bis zu 10000 Euro an jeden, der vor Ort einen Altbau kauft und bewohnt. Damit konnte sie die Abwanderung stoppen und wächst jetzt sogar wieder moderat – ohne Neubaugebiete. Als das Karlsruher Institut für Technologie Arbeitsraum für ca. 150 Studierende suchte, fand es ihn im Entree des Staatstheaters: Tagsüber können die Studenten dort arbeiten, abends dient er wieder als Theaterfoyer. Größere Baumaßnahmen oder Behelfscontainer erübrigten sich. Im Berliner Betahaus wiederum haben sich 200 Freiberufler auf insgesamt nur 2000 m² eingemietet. Sie buchen Raum für einen Tag oder einen Monat, für Besprechungen auch mal ein größeres Zimmer. Durch diese Flexibilität ist der Platzbedarf pro Person im Vergleich zu üblichen Bürobauten stark reduziert, was v.a. in Boomstädten dazu beitragen kann, neue »Büroparks« im Speckgürtel zu verhindern.

Manches wird den Lesern aus Veröffentlichungen in db-Metamorphose oder vom Suffizienz-Kongress der db bekannt vorkommen, dennoch lohnt sich das Buch für jeden, der sich für intelligente Umnutzungskonzepte interessiert. Auf den letzten Seiten nennt Fuhrhop für eilige Leser in einer Art Quintessenz 50 Werkzeuge, mit denen Politik, Baubehörde, Planungsbüro oder Bauherrschaft das Errichten neuer Gebäude überflüssig machen können.

~Christian Schönwetter

Verbietet das Bauen!
Von Daniel Fuhrhop
192 Seiten, 18 Euro
oekom verlag, München 2015