Strassenbahnwerkstätten in Darmstadt

Mobiles Mauerwerk

Die Hessische Eisenbahn-Aktiengesellschaft (HEAG) wurde 1912 in Darmstadt gegründet und ist seitdem zu einem Konzern angewachsen, mit dem wohl jeder Darmstädter einmal in Berührung kommt. Sei es bei der Wasser- und Energieversorgung, bei Wohnungsbau und -verwaltung oder im flächendeckenden Nahverkehrsnetz. Letzteres verwaltet die Tochtergesellschaft HEAG mobilo mit Sitz an der Klappacher Straße im Süden Darmstadts. Das heterogene Gebäudeensemble, zusammengesetzt aus Bestandsbauten unterschiedlicher Epochen, sollte mit einer Sanierung im Jahr 2013 ein einheitliches Gesicht erhalten, das der Niederlassung einen repräsentativen Charakter verleiht.
Die Bus- und Bahndepots am Böllenfalltor waren in den 20er Jahren vom Darmstädter Architekturbüro Markwort und Seibert realisiert worden und auch das angrenzende denkmalgeschützte Wohnhaus aus Klinkermauerwerk stammt von Eugen Seibert. Es war 1929 eigens für die Angestellten des HEAG-Depots errichtet worden. Zu den zeittypischen Merkmalen des vierstöckigen Baukörpers gehören die Unterteilung der Fassade durch Gesimse, das horizontal versprosste Treppenhausfenster und der klinkerverzierte Eingang. Das Werkstattgebäude für die Darmstädter Straßenbahnen hingegen entstand 1980, ein verbindender Brückenbau wurde 1996 ergänzt. Die Architekten des Darmstädter Büros Ramona Buxbaum Architekten näherten sich der Sanierungsaufgabe mit viel Respekt vor dem Bestand: Neben nur kleinen Veränderungen im Innern standen die Vereinheitlichung und Energieoptimierung der Gebäudehülle bzw. der Fassaden und des Daches sowie der Brandschutz des Gebäudeensembles im Vordergrund. Die Architekten setzten dem Werkstattgebäude ein Klinkerverblendmauerwerk vor, das die horizontale Gliederung des Nachbarbaus aufnimmt. Mit seinen braunroten Torfbrandklinkern kommt es der originalen Klinkerfassade des Bestands in der Materialanmutung sehr nahe und ist zugleich sinnbildlich eine Hommage an die lange Geschichte des Darmstädter Unternehmens. »Aus traditionellen Materialien etwas zeitgenössisch Modernes schaffen«, war das Leitmotiv der Architekten, das in einzelnen Details eine besondere Umsetzung erfährt: So tarnt sich eine Fluchttür – einer Tapetentür ähnlich – mit Ziegelverblendung in der Wand. Vor dem Aufenthaltsraum der Mitarbeiter sorgt gar ein beweglicher »Ziegelvorhang« für Sicht- und Sonnenschutz und lässt im Innern lebendige Lichtspiele entstehen.
~Iris Darstein-Ebner