Dommuseum in Hildesheim

Schatzkammer des Mittelalters

Das Museum neben dem Dom haben Schilling Architekten mit einem Anbau aus gestocktem Sichtbeton erweitert. Zusammen mit den umgebauten Innenräumen zeigt er, wie sich Bauteile aus verschiedenen Epochen beziehungsreich miteinander verknüpfen lassen.

Pünktlich zum 1 200-jährigen Bestehen des Bistums Hildesheim waren die umfangreichen Umbauarbeiten am Weltkulturerbe abgeschlossen: Der Dom mit anliegendem Museum hat seine Pforten wieder geöffnet. Beide Stätten werden nun gemeinsam über einen vorgestellten gläsernen Zugang an der Nordseite des Ensembles erschlossen. Gleich im Foyer zeigt sich das Konzept des Architekten Johannes Schilling, Zeugnisse unterschiedlicher Bauepochen erkennbar zu machen. Die neuen Holztüren, Glasflächen und schwarz lackiertes Metall harmonieren hervorragend mit dem Bestand aus Natursteinmauerwerk und den gerippten Flachdecken aus Betonfertigteilen, die Wilhelm Fricke nach dem Zweiten Weltkrieg eingefügt hatte.
Während sich rechter Hand der Dom anschließt, führt der Weg links vorbei an Kassentresen und Café über eine Treppe hinauf zum oberen Geschoss des zweistöckigen Kreuzgangs. Es ist jetzt erstmals öffentlich zugänglich. Von hier fällt der Blick durch den Klausurgarten auf die romanische Apsis des Doms, den sagenumwobenen 1 000-jährigen Rosenstock und die gotische Annenkapelle, die frei im Garten steht. Epitaphe geleiten zu den Gebäudeteilen am südlichen Ende des Kreuzgangs, in denen das Gros der Sammlung beheimatet ist. Die Enfilade aus schmalen geschosshohen Öffnungen in den Trennwänden baut eine Blickachse auf, an deren Ende das Ringelheimer Kruzifix den Besucher förmlich in den Raum zieht. Entlang dieses Weges akzentuieren deckenintegrierte Punktstrahler die anderen Schaustücke in ihren hohen, filigranen Glasvitrinen. Präsentiert werden die Exponate nicht chronologisch, sondern in Themenblöcken; eingestreute zeitgenössische Kunstwerke ergänzen die Schau.
Als markanteste äußere Veränderung sticht ein moderner Anbau ins Auge. Er greift die Kontur der profanierten Kapelle an der südöstlichen Ecke des Ensembles auf, setzt sie als abstrakt-schlichter Baukörper mit bündig in Dach und Wand eingelassenen Fenstern fort und schiebt sich weit in den Straßenraum – der Bauherr versteht diese Geste als klerikalen Dialog mit den Menschen der Stadt. Die äußere Schale der kerngedämmten Wand besteht aus Sichtbeton, der sich – durchgefärbt und gestockt – gut an den Bestand und dessen Bruchsteinmauerwerk anpasst. Im UG des Anbaus wurden Reste der gut erhaltenen, sog. Bernwardsmauer freigelegt, die aus der Regierungszeit Bischof Bernwards (993-1022) stammt; im EG steht der 9 m hohe Renaissance-Lettner, der im Dom einst Altar und Hauptschiff trennte. Gemäß seiner damaligen Funktion ist er auch in seinem neuen Umfeld als Raumteiler inszeniert.
~Hartmut Möller