Kunstkabinett in Pfarrkirchen von Max Zitzelsberger

Biedermeier in Sperrholz

Desaströser Zustand und handbreite Risse im Mauerwerk waren die Ausgangslage für Max Zitzelsberger bei der Sanierung eines ehemaligen Klosterturms. Umso beeindruckender ist das Ergebnis – inklusive neu interpretierter Biedermeier-Möbel aus Sperrholz.

Shoppen statt beten: Mitten im Altstadtkern des niederbayerischen Städtchens Pfarrkirchen musste in den 80er Jahren ein ganzes Kloster einem Einkaufszentrum mit Tiefgarage weichen. Übrig blieb nur ein kleiner zweigeschossiger Turmbau aus der Biedermeierzeit. Nach langem Leerstand sollte dort nun auf Initiative eines kunstaffinen Bürgermeisters ein kleines Kunstkabinett entstehen. Eine Spundwand der Tiefgarage, die direkt neben dem Gebäude verläuft, hatte der Bausubstanz stark zugesetzt: Die Fundamente waren nachgesunken, das Ziegelmauerwerk wies teilweise Rissbreiten von bis zu 15 cm auf, auf der Wetterseite waren drei Balkenköpfe der Holzdecke ebenso verfault wie die Schwellhölzer des Dachstuhls.

Statt eines raumgreifenden Umbaus beschränkte der Münchner Architekt Max Zitzelsberger sich darauf, nur das Nötigste zu reparieren und so viel wie möglich zu erhalten. Zunächst ließ er den gesamten Turm mittels Kalkverpressung unterfangen, ein vergleichsweise kostengünstiges Verfahren zur Bodenverfestigung, das schon die Römer kannten: Unter die Fundamente wurde zuerst Kalk injiziert, danach Wasser in die Bohrlöcher nachgegossen. Beides reagiert miteinander, dehnt sich aus und schafft eine feste Verbindung, die über die Jahre noch weiter aushärtet und im Verlauf der Baumaßnahmen ein Heben des Turms um etwa 1 cm bewirkte. Auch die übrigen Schäden wurden mit traditionellen Methoden beseitigt: Aus Kostengründen ließ der Architekt die maroden Schwellhölzer des Dachstuhls stückweise in der sogenannten Halbholztechnik auswechseln. Den historischen Putz nahm man nur im Bereich der Risse ab, sicherte das Mauerwerk dort mithilfe von senkrecht zum Rissverlauf eingebauten Ziegelstürzen und brachte neuen Kalkputz auf. Die ehemals farbigen, jedoch größtenteils verwaschenen Wandoberflächen wichen einem einheitlich hellgrauen Kalkanstrich, der dem Raum seine Verspieltheit nimmt. Wo die ursprüngliche Farbfassung am besten erhalten war, geben nun kleine »Fenster in die Vergangenheit« den Blick darauf frei.

Zur Präsentation der Kunstgegenstände entwarf der Planer eine Serie kleiner Tische aus preiswertem Birkenfurniersperrholz. Sie orientieren sich an der Formensprache des Biedermeier, allerdings in einer Neuinterpretation mit dem ablesbar modernen Holzwerkstoff in leicht grauem Farbton. Sämtliche Teile sind lediglich zusammengesteckt und verzapft. Max Zitzelsberger hat mit der Instandsetzung des Kunstkabinetts nicht nur ein historisches Gebäude und damit ein Stück Geschichte vor dem Vergessen bewahrt, sondern es zugleich in die Gegenwart transferiert.

~Tanja Feil

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