Umbau Festungsanlage Hazegras in Knokke (B)

My home is my castle

Erst Festung, dann Bauernhof, jetzt Wohnhaus: Beim Umbau eines Gehöfts in der Nähe von Brügge erweiterten Govaert & Vanhoutte den Bestand mit einem eleganten, minimalistischen Holzbau. Er übersetzt die Formensprache alter Scheunen in die Moderne. Eingebettet in die malerische Küstenlandschaft liegt die Festungsanlage Hazegras, ursprünglich zur Verteidigung der Grenze zwischen Belgien und den Niederlanden errichtet. Das exakte Entstehungsjahr ist unbekannt, eine große Rolle spielte die Anlage jedoch in den Weltkriegen. Danach wurden die alten Gemäuer zu Bauernhäusern umfunktioniert, heute bieten sie einer Familie ein Heim in historischem Umfeld. Als Partner für diese Planungsaufgabe entschieden sich die Bauherren für das Architektenduo Govaert & Vanhoutte. Über ein paar raffiniert umgenutzte und umgebaute Wehrbauten waren sie auf die sensiblen Planer gestoßen. Auch für die Anlage in Knokke lieferten die Architekten einen feinfühligen Entwurf. Er beinhaltete den Abbruch einiger unbedeutender kleiner Bauten und die Umgestaltung der bestehenden Scheune sowie des Wohngebäudes. Diese beiden freistehenden Volumina wurden erweitert, die Anbauten vervollständigen und bestärken heute die historische Aufteilung: Das ehemalige Bauernhaus wurde zur U-Form ergänzt und bildet den Wohn- und Bürobereich. Die Scheune dient als Garage und ist über einen verglasten Eingang mit dem Pool im Neubau verbunden. »Für die Kubatur der Anbauten haben wir verschiedene Proportionen geprüft, auch Flachdachlösungen. Harmonischer und weniger auffällig erschien uns jedoch die Wiederholung des Bestandes«, begründet das Architekturbüro die Entscheidung für die steilen Satteldächer. Die Fassade bildet ein filigranes Kleid aus Holzlamellen mit einem Querschnitt von 3 x 7cm. Verwendet wurde Afrormosia, ein besonders wetterbeständiges, teakähnliches Material. Im Abstand von 4 cm stehend gerichtet, überziehen die Lamellen Wände und Dachflächen bis zum First – und machen auch nicht vor dem Schornstein halt. Die Anbauten erscheinen zart und leicht und heben sich somit vom massiven Bestand mit seinem typisch flämisch-rotem Backstein ab. Ein Farbwechsel von dunklem Rot der Ziegel im unteren Fassadenbereich zu hellem Beige weiter oben zeugt von einer baulichen Anpassung in der Vergangenheit und wurde von den Architekten sensibel behandelt: Neu eingebaute Fenster respektieren diese Linie und überschreiten sie nicht, sie liegen genau im hellen Backsteinstreifen oder darunter. Bestehende Öffnungen wie die historischen Schießscharten durchbrechen das Mauerwerk mit vertikalen Schlitzen – scheinbar genau so schmal wie die neuen Holzlamellen. Nach innen weitet sich der Schlitz jeweils trichterförmig auf und bereichert die dahinterliegenden Räume mit spannenden Tageslichtakzenten. Die Möblierung und Ausstattung in ruppig-puristischer Formensprache verweist auf die Vergangenheit der Gebäude als einfache Zweckbauten. ~Carmen Nagel Eschrich