Basilica di Siponto, Foggia (I)

Lichter Kirchenbau

Im Archäologiepark der einstigen Stadt Siponto ließ der Künstler Edoardo Tresoldi die Kontur einer eingestürzten Basilika wiederauferstehen. Die Hülle aus lichtem Drahtgewebe verleiht den entstandenen Räumen etwas herrlich Schemenhaftes.
Im süditalienischen Apulien steht die Kirche Santa Maria Maggiore di Siponto in einem archäologisch bedeutsamen Gebiet: Einst lag hier die antike Stadt Siponto, die nach einem verheerenden Erdbeben 1223 völlig zerstört und von den Einwohnern verlassen wurde. Heute gehört das Gelände zur Gemeinde Foggia, nur wenige Kilometer von der Küstenstadt Manfredonia entfernt.
Die im Archäologiepark sichtbaren Mauerreste und Ruinen neben der Kirche stammen vom Langhaus einer frühchristlichen Basilika aus dem 6. Jahrhundert. Sie wurde bei einem Erdbeben im Jahr 991 zerstört, aber bereits ab 1025 wieder aufgebaut. Bedeutung erhielt die Basilika, als das Erzbistum nach Siponto verlegt wurde. So hielt Papst Leo IX. im Jahr 1050 dort eine Synode ab, nur 17 Jahre später fand unter Papst Alexander II. ein Konzil statt. Doch auch dieses Kirchenbauwerk wurde mehrfach durch Beben schwerstens beschädigt, endgültig mit der kompletten Zerstörung Sipontos im 13. Jahrhundert.
Die Aufgabe in Foggia war nicht leicht. Der Bildhauer und Designer Edoardo Tresoldi sollte die Basilika wieder auferstehen lassen, allerdings gibt es keine wirklich gesicherten Angaben über ihre ursprüngliche Größe oder Form. Doch Tresoldi hat ein beeindruckendes Bauwerk geschaffen, das den thesenhaften Charakter und die Unschärfe des Wiederaufbaus veranschaulicht. Es besteht aus Hunderten von Quadratmetern eines netzartigen Drahtgewebes, das durch Modellieren seine Form erhält und doch die Umgebung durchscheinen lässt. So verwischen die Grenzen zwischen Luft und Materie. Mit Hilfe von hydraulischen Hubarbeitsflächen konnte das Team um Tresoldi die vorgefertigten Elemente der Konstruktion bewegen und dann miteinander verbinden. Der Aufbau dauerte 5 Monate.
Nun kann der Besucher durch Räume wandeln, die kaum greifbar sind. Trotz des luftigen Materials schuf Tresoldi Details – Säulen, Kuppeln und Statuen, die im Kirchenschiff aufgestellt sind. Wie ein Hologramm erscheinen dabei Mauern und Pfeiler. Dieser Effekt wird durch nächtliche Beleuchtung verstärkt.
~Petra Bohnenberger