Wohnturm in Kreuzlingen (CH)

Krasser Wandel

Ein großer Teil des heutigen Wohnungsbestands liegt in Hochhäusern aus den 70er Jahren. Ein Umbau in Kreuzlingen zeigt, wie sich Relikte des Bauwirtschaftsfunktionalismus so aufwerten lassen, dass sie ihrer Rolle als Landmarke gerecht werden.

Größer könnten die Veränderungen kaum sein, die das Hochhaus in der Bachstrasse im Laufe der Jahre durchlief. 1971 errichtet, erhebt es sich als typisches Kind seiner Zeit über einer Ladenzone, die durch ein Vordach mit überbreiter Attika betont wird. In den Wohngeschossen darüber dominierten neben vorgehängten, dunkel und kastenartig wirkenden Balkonen v.a. orangerote Fensterrahmen und -pfeiler. Später wurden Fassaden und Fenster einheitlich hell gestaltet, die Balkone erhielten Glasbrüstungen. Und nun verwandelten huggenbergerfries Architekten aus Zürich das Gebäude komplett.

Ausgangspunkt für den Entwurf ist die charakteristische Betonattika über dem EG, die seinerzeit von den Künstlern Eberle und Fischer von Gottlieben mit einem Relief versehen worden war. Das Team von huggenbergerfries griff dieses Motiv auf und interpretierte es zu einer Bandfassade für die oberen Geschosse um. Auf Brüstungshöhe verlaufen plastisch gestaltete Streifen aus hellen Betonfertigteilen. Im Kontrast dazu stehen die Fensterpartien mit den profilierten Blechverkleidungen in kräftigem Dunkelblau.

Die alten einheitlichen Balkone entfernten die Planer und ersetzten sie mit neuen, die mehr Abwechslung in der Gebäudeansicht erzeugen. Denn jeder Freisitz ist teilweise überdacht, teilweise kragt er aber auch dreiecksförmig aus der Fassade aus, wobei diese Vorsprünge von Geschoss zu Geschoss gegeneinander verschoben sind. Dadurch erhöht sich die Aufenthaltsqualität für die Bewohner, die jetzt die Wahl haben, entweder geschützt oder unter freiem Himmel zu sitzen. Ganz zu schweigen davon, dass sich die Balkone in ihrer Grundfläche fast verdoppelt haben.

Die neu strukturierten Grundrisse der 52 Wohnungen lassen die besondere Qualität des Hochhauses – die gut belichteten Räume und die vielfältigen Ausblicke – noch stärker in den Vordergrund treten. Die größeren Wohnungen an den Gebäudeenden wurden nach drei Seiten ausgerichtet. Das ergibt helle, lichtdurchflutete Zimmer. Durch die relativ offenen Grundrisse und die durchgängigen einheitlichen Bodenbeläge aus geschliffenem Estrich entstehen neue Blickbeziehungen und ein großzügigeres Raumgefühl. Besonderes Highlight sind die neuen Attika-Wohnungen im 9. OG mit den Dachterrassen, die einen Rundumblick über die Stadt bis zum Bodensee ermöglichen. Ein weiterer Typus sind die Wohnungen im 1. OG, die mit großen privaten Freibereichen auf der gewerblich genutzten EG-Zone aufgewertet werden.

~Petra Bohnenberger

Bilder vom ursprünglichen Zustand: https://kreuzlingen-skyline.jimdo.com/kreuzlingen/bachstrasse-17/