Dietmar Feichtinger baut Studio Molière in Wien (A) um

Theater mit Geschichte

Zur Französischen Schule in Wien gehört ein kleines Theater, das kürzlich runderneuert wurde. Mit beherzten Eingriffen haben Dietmar Feichtinger Architectes großzügigere Räume geschaffen. Der Altbau korrespondiert dabei mit einem benachbarten Neubau.

Das Lycée Français in Wien ist eine von 488 französischen Auslandsschulen. Sie bezog 1954 mit über 500 Schülern neu errichtete Gebäude im Clam-Gallas-Park an der Liechtensteinstraße. Inzwischen sind weitere Bauten hinzugekommen, über 1800 Schüler aus mehr als 50 Ländern werden dort unterrichtet. Direkt dem großen Schulgebäude vorgelagert befindet sich das Studio Molière, ein kleines, dem Lycée zugeordnetes Theater, früher Fliegerkino, untergebracht in einer ehemaligen Reitschule.

Nun hat der Architekt Dietmar Feichtinger einen Neubau für zusätzliche 12 Klassenräume geschaffen und das Theater umgebaut und umstrukturiert. Weil es als Teil einer Blockrandbebauung direkt an der Straße liegt, fehlte bisher ein Vorplatz zum Verweilen oder zum Warten auf andere Besucher. Daher ließ Feichtinger einen Teil der Straßenfassade nach innen rücken und zwei Zwischendecken entfernen, sodass ein großzügiger überdachter Außenbereich entstand. Er reicht über drei Geschosse und zeigt schon von weitem den Eingang an. Nach einem Vorraum mit den Kassen und der Garderobe öffnet sich ein 7,60 m hohes Foyer, lichtdurchflutet durch die großen romantisierend-gotischen Fenster auf der Rückseite, die durch das Entfernen der Decken wieder ihre volle Wirkung entfalten können. Am Theatersaal selbst sind die Veränderungen denkbar gering: Die Hinterbühne wurde im Niveau auf das der Hauptbühne angepasst. Eine Bar und ein Cateringraum machen auch Veranstaltungen mit Buffetbetrieb möglich.

Im 1. OG befindet sich die zweigeschossige Wohnung des Schulwarts sowie ein Gästezimmer für Besucher des Lycées. Diese eher privaten Räume werden durch eine Treppe direkt vom Eingangsbereich aus erschlossen. Auch die Heizungsanlage wurde erneuert. Der Kassen- und Sanitärbereich sowie ein kleiner Buchladen neben dem Eingang werden mittels Fußbodenheizung gewärmt, der Theatersaal mit Quellluftauslässen im Schrägboden versorgt, alle anderen Räume werden über Konvektoren beheizt.

Der Neubau im »Hinterhof« des Theaters steht ein wenig abgerückt auf einem ehemaligen Parkplatz. Vertikale Felder aus Glas und aus Metall gliedern seine Fassade, bei der die Sichtbarkeit der Konstruktion auf ein Minimum reduziert wurde. Die senkrechten Glasfelder harmonieren dabei mit den hohen Spitzbogenfenstern des Theaters. Tagsüber spiegeln sie zudem die Rückseite des Studios wider. Abends, bei Dunkelheit kehrt sich der Effekt um, das Licht der Schule fällt auf das Theater und beleuchtet es mit.

~Petra Bohnenberger

Einen Zeitungsbericht der historischen Eröffnung 1954 finden sie hier.

Video eines kurzen Spielfilms über den Schulalltag von 1954 finden Sie hier.