Nachträgliche Dämmung von Kellerdecken

Abgetrennt

Ein großes Potenzial zur Wärmekosteneinsparung bei bestehenden Wohnbauten liegt in der nachträglichen Verkleinerung des zu heizenden Gebäudevolumens, also in der Abtrennung von unbeheizten Dach- oder Kellerräumen zu beheizten Wohnräumen. Die Kellerdeckendämmung ist dabei weniger bekannt als beispielsweise die Dämmung der oberen Geschossdecke, aber ebenfalls sehr effektiv. Ein positiver Nebeneffekt ist der warme Fußboden.

Text und Fotos: Arnold Drewer, Hanne Paschko

Beim energieeffizienten Bauen ist es wichtig, sowohl Transmissions- als auch Lüftungswärmeverluste zu minimieren. Ermöglicht wird dies durch eine kompakte thermische Gebäudeform mit wenigen Wärmeverlustflächen bei kleinstmöglichem Gebäudevolumen. Daraus ergibt sich, dass sich nicht beheizte Abstellräume entweder im Keller oder im DG befinden sollten – schließlich müssen Flächen und Räume, die nicht beheizt werden, auch nicht gegen die Außentemperatur gedämmt werden. Letzteres gilt auch für Treppenhäuser oder Anbauten wie Wintergärten. Notwendig ist die Dämmung nur zwischen beheizten und unbeheizten Räumen, wozu bei Wohnbauten im Bestand in der Regel die Kellerdecke, die oberste Geschossdecke und die Erschließung dieser Räume gehören.
Um die Kellerdecke nachträglich zu dämmen, kommen drei unterschiedliche Verfahren in Betracht: Die Einblasdämmung von Hohlräumen, die Dämmung massiver Kellerdecken von unten oder eine Estrichdämmung. Insbesondere dann, wenn ein besonders guter Dämmwert erzielt werden soll, ist auch eine Kombination dieser Verfahren sinnvoll.
Einblasdämmung von Hohlräumen
In vielen Fällen liegen Holzfußböden auf Lagerhölzern auf, wodurch ein Hohlraum zwischen den Bodendielen und der massiven Kellerdecke entsteht. Die Dicke der Luftschicht variiert zwischen 5 und 10 cm. Da es generell schwierig ist, durch eine Dämmung innerhalb dieses kleinen Bereichs einen guten U-Wert zu erzielen, schreibt die EnEV hierbei nur die vollständige Verfüllung mit Dämmstoff vor. Der erreichte U-Wert spielt also bei dieser Sanierungsvariante keine Rolle. Es gibt zwei Möglichkeiten, den Hohlraum zu verfüllen: von oben oder von unten.
  • Beim Einblasvorgang von oben müssen die Bodendielen teilweise entfernt oder durchbohrt werden. Ist der Raum unmöbliert oder wird er ohnehin saniert, ist es einfacher, den Bodenbelag am Rand zu öffnen. Außerdem kann dieser Bereich im Nachhinein von einer breiteren Fußleiste abgedeckt werden. Bei einer Durchbohrung des Fußbodens in der Raummitte – wenn z. B. das Zimmer möbliert ist und der Holzbodenbelag bestehen bleiben soll – können die Löcher aber auch nahezu unsichtbar wieder verschlossen werden.
  • Die zweite Möglichkeit ist die Einblasdämmung von unten, bei der die massive Kellerdecke durchbohrt werden muss – ein im Gegensatz zum Einblasen von oben aufwendigeres Verfahren. Somit ist diese Variante zwar teurer, dafür aber wird der Fußboden des EGs nicht in Mitleidenschaft gezogen.
Die Hohlschichtdicke bestimmt den Einblasdämmstoff: Bei großen Hohlräumen mit mehr als 10 cm Höhe können kostengünstige faserförmige Dämmstoffe mit etwas höherer Wärmeleitfähigkeit eingesetzt werden wie beispielsweise Zellulose WLS 040 und Glaswolle WLS 035. Bei schmaleren Hohlschichten sollte aufgrund der geringen Wärmeleitfähigkeit und damit besseren Dämmleistung EPS-Granulat WLS 033 verwendet werden, das sich als rieselfähiger Dämmstoff außerdem im Hohlraum einfacher verteilen lässt.
Dämmung massiver Kellerdecken von unten
Zwar wird bei der unterseitigen Dämmung der Kellerdecke die lichte Höhe des Kellers reduziert, doch ist abzuwägen, ob der Vorteil höherer Räume relevanter ist als die erzielte Energieeinsparung und der höhere Wohnkomfort im EG. Gegenüber den anderen Dämmvarianten hat diese Maßnahme außerdem einen entscheidenden Vorteil: Der Wärmeschutz der Heizungsrohre lässt sich entsprechend der Vorschriften der EnEV bzgl. der Nachrüstpflichten »Dämmung Heizungsrohre« gleich mit verbessern. Zur Entschärfung der Wärmebrücken im Bereich der aufsteigenden Kellerwände müssen die Innen- und Außenwände des Kellers ›
› im oberen Bereich dann allerdings ebenfalls gedämmt werden (ca. 60 cm tief). Fällt die Wahl auf diese Sanierungsmaßnahme, darf die Wärmeleitfähigkeit der sanierten Kellerdecke außerdem einen U-Wert von 0,30 W/m²K nicht übersteigen. Zum Vergleich: Bei im Bestand üblichen Deckenkonstruktionen beträgt dieser Wert meist etwa 1,7 W/m²K. Folglich sind für die Sanierung hochleistungsfähige Dämmstoffe mit einer WLS < 0,030 W/mK gefragt, die in der Anschaffung vielleicht teurer, langfristig aber die kosteneffektivste Lösung sind. Infrage kommen je nach Situation Plattendämmstoffe oder Sprühschäume.
  • Dämmplatten können entweder unter die Decke gedübelt oder geklebt werden. Bei der Verklebung muss der Untergrund im Vorfeld sorgfältig gereinigt werden. Die Plattendämmung ist sehr aufwendig, da viele Kabel und Rohre an der Unterseite der Kellerdecken verlaufen und die Platten an diese und andere Unebenheiten anzupassen sind. Auch dabei muss sehr sorgfältig gearbeitet werden, da durch Hohlräume zwischen Platten und Rohren Hinterlüftungseffekte entstehen und die Dämmung dann weniger wirksam wäre. Als besonders schwierig gestaltet sich die unterseitige Dämmung von Kappendecken. Hier sollte, um die Höhlungen auszugleichen, zunächst eine weiche Dämmstofflage (etwa Mineralwolle oder Flachs/Hanf) verwendet werden und als Abschluss Platten. Um den durch die EnEV vorgegebenen U-Wert einzuhalten, sind beim Einsatz von Phenolharz WLS 022 in der Regel 6 cm dicke Platten erforderlich. Bei den Polystyrol-Dämmplatten WLS 035 sind bereits 10 cm notwendig. Unterzüge oder Türstürze können durch hochdämmende Aerogel-Matten mit der WLS 014 sehr schmal und effizient gedämmt werden. Für die großflächige Verwendung scheiden diese jedoch aus Kostengründen aus.
  • Das Aufsprühen von Dämmstoffen auf massive Kellerdecken bietet viele Vorteile: Zum einen werden Unebenheiten im Beton ausgeglichen und Leitungen und Rohre fugenfrei mitgedämmt. Zum anderen lassen sich Flankenbereiche oder gewölbte Decken einfacher als mit Platten dämmen. Außerdem ist die Ausführung schnell und preiswert. Geeignet für die Sprühtechnik ist Polyurethanschaum, der mit der WLS 030 eine sehr gute Dämmwirkung besitzt. Da er allerdings in die Baustoffklasse B2 eingestuft wird, darf man ihn in Heizungskellern, öffentlichen Gebäuden und bei Fluchtwegen im Mietwohnungsbereich oft nicht einsetzen – hier müssen unbrennbare Dämmstoffe der Klasse A1 verwendet werden. Eine Alternative bietet daher die sprühbare Steinwolle »Dossolan Thermique«, die mit Zement versetzt ist. Durch Zugabe von Wasser kann sie aufgesprüht werden und bietet dann die gleichen Vorteile wie PUR-Schaum.
Estrichdämmung
Bei einer Sanierung der EG-Wohnung kommt auch die Dämmung der Kellerdecke von oben Betracht. Dabei gibt es drei Alternativen:
  • Verlegen von druckfesten Estrich-Dämmplatten (mit oder ohne Einbettung von Fußbodenheizungen), Estrich und Bodenbelag. Aufgrund der sehr guten Dämmwirkung sollten Phenolharz- oder Polyurethan-Dämmplatten eingesetzt werden. Diese erzielen bei dünnem Aufbau eine hervorragende Dämmwirkung.
  • Ausgleichsschüttung mit druckbelastbaren Schütt-Dämmstoffen (Cemwood, Perlite o. Ä.), Trockenestrichelemente und Bodenbelag. Diese Variante ist v. a. dann sinnvoll, wenn der Untergrund abschüssig ist oder starke Unebenheiten aufweist. Auch können Rohre, Installationen usw. sehr gut »eingepackt« werden. Die Dämmschüttungen haben jedoch relativ schlechte Lambda-Werte – man muss sie also ziemlich dick auftragen.
  • Installation von Heizungsrohren/Fußbodenheizung, Aufsprühen von Polyurethanschaum, Estrich und Bodenbelag. Der PUR-Sprühschaum weist mit der WLS 030 einen sehr guten Wert auf, er kann daher erheblich dünner als Dämmschüttungen aufgebaut werden. Beide Verfahren – Schüttung und Sprühschaum – lassen sich leicht, schnell und fugenfrei umsetzen, was v. a. bei komplizierten Rohrleitungsführungen sinnvoll erscheint.
Kellerabgang und Heizraum
Der Dämmung der Kellererschließung wird meistens keine Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei spielt sie bei den Wärmeverlusten des Hauses eine große Rolle. Meist verbindet eine Holztreppe das EG mit dem OG. Unter dieser Treppe befindet sich dann eine Holztür, die zum Keller führt. Diese relativ dünne, dabei undichte und zugige Holzkonstruktion soll den beheizten vom unbeheizten Keller abtrennen, was in der Regel thermisch nicht besonders wirksam ist. Folglich ist es wichtig, auch den Kellerabgang sorgfältig zu dämmen. Verzichtet werden kann jedoch im Gegenzug auf die Dämmung der Decke über dem Heizraum, in dem es durch die unvermeidbaren Verluste der Wärmeerzeugungsanlage wärmer ist als in den umgebenden Kellerräumen. In dem Fall ist es ratsam, die umschließenden Wände des Heizraums zu dämmen. Insofern ist der Wärmeerzeuger im beheizten Bereich aufgestellt und seine Verluste können als Gewinn von Raumwärme gutgeschrieben werden. •