Sporthalle Schäfersfeld in Lorch

Behnisch verhüllt Behnisch

Im schwäbischen Lorch hat Günther Behnisch seit 1973 eine Anlage anspruchsvoller Schulbauten geschaffen. Die Sporthalle wurde nun vom selben Büro saniert. Unseren Autor, einen bekennenden Behnisch-Fan, hat das Ergebnis jedoch nur bedingt überzeugt. Über drei Jahrzehnte ist am Stadtrand von Lorch ein einzigartiges Schulzentrum gewachsen. Die einzelnen Bauten stammen aus dem Büro Behnisch, das immer wieder mit neuen Ergänzungen beauftragt wurde. Den Anfang machte 1973-76 das Progymnasium mit benachbarter Dreifeldsporthalle, 1994 kam ein Neubau für die Realschule hinzu und 2003 schließlich ein Gymnasium. Beispielhaft lässt sich an diesen Gebäuden nachvollziehen, wie sich die Architektursprache des Büros Behnisch gewandelt hat – stets war sie ihrer Zeit jedoch ein bisschen voraus und fand zahlreiche Nachahmer. Egal aus welchem Jahrzehnt, gemeinsam ist den Schulbauten in Lorch die sensible Einfügung in die Landschaft und der fließende Übergang zwischen innen und außen. Er wird u. a. durch auskragende Dachscheiben unterstrichen, durch Beton- und Stahlträger, die die Glasfassaden durchstoßen, und durch Gehwegbeläge, die sich jeweils vom Vorplatz ins Foyer hinein fortsetzen. Die Turnhalle aus dem Jahr 1976 ist nun runderneuert worden, die Planung stammt wiederum von Behnisch Architekten (früher: Behnisch & Partner). In erster Linie galt es, auf geänderte Abläufe im Sportbetrieb zu reagieren. Daher wurde das Gebäude an der südlichen Längsseite erweitert. Der Anbau im EG nimmt ein größeres Foyer auf, das jetzt auch Bewirtungsmöglichkeiten bietet. Der Hallenwart hat dort ein Büro mit Tageslicht bekommen und muss nicht mehr im dunklen Keller sitzen. Führten früher drei Treppen direkt hinunter zu den Umkleiden, so gibt es jetzt nur noch eine Haupttreppe hinab zu einem breiten Verteilerflur. Dadurch lässt sich der Zugang leichter kontrollieren und die Lehrer können ihrer Aufsichtspflicht besser nachkommen. Ein neuer Aufzug erschließt beide Ebenen barrierefrei. Neben diesen Grundrissänderungen fand natürlich auch eine unfangreiche energetische Sanierung statt. Ist das erklärte Ziel, bestehende Qualitäten zu erhalten, dabei erreicht worden? An drei Seiten präsentiert sich die Halle tatsächlich nur unwesentlich verändert. Doch ausgerechnet die Schauseite zum Tal leidet erheblich unter dem Anbau. Er lässt all das verschwinden, was bislang den Reiz des Gebäudes ausmachte: Gaben früher die drei vorgestellten verglasten Treppenhäuser dieser Gebäudeansicht einen Rhythmus und milderten ihre Länge ab, so lässt jetzt eine neue einheitlich durchrauschende Fassade das Behnisch-typische, abwechslungsreiche Spiel der Volumina vermissen. Drangen früher Betonscheiben und Stahlträger durch die Gebäudehülle nach außen und erzeugten ein lebendiges Spiel von Licht und Schatten, so geht der neuen glatten Haut jegliche Tiefenwirkung ab. Prägte früher das charakteristische Hallentragwerk die äußere Erscheinung, so wird sie nun von einer konventionellen Pfosten-Riegel-Fassade dominiert. Natürlich ist es verständlich, dass man sich der bauphysikalischen Problempunkte entledigt hat, indem man das einst außenliegende Stahltragwerk nun ins Gebäudevolumen integriert hat. Aber hätte man auf die Gestaltung dieses Volumens und seiner Hülle nicht ein wenig mehr Sorgfalt verwenden können? Warum muss etwa das Dach eine überbreite Attika bekommen, wenn doch die Halle ansonsten von einem umlaufenden schrägen Vordach beschattet wird? Und wie ist es möglich, dass sich Regenfallrohre mit groben, würfelförmigen »Kapitellen« vor der Attika in den Vordergrund drängen? Kaum vorstellbar, dass ein solches Detail im Hause Behnisch entworfen wurde. Es will weder zum Duktus der Halle, noch der anderen Bauten auf dem Areal, noch überhaupt ins Oeuvre des Büros passen. Im Foyer wurde das kleinteilige Granitpflaster gegen einen homogenen Estrich mit PUR-Beschichtung ausgewechselt. Er mag pflegeleichter sein, doch hat die Halle damit eines der essentiellen Merkmale der Lorcher Schulbauten verloren: die Verschmelzung von Innen- und Außenraum. Freunde der alten Behnisch-Architektur wird dieser Umbau kaum überzeugen. Nervös dürften sie bei der Vorstellung werden, dass er als Vorbild für den Umgang mit den übrigen Teilen des Lorcher Ensembles dienen könnte. Denn die beiden ersten Schulgebäude sind ebenfalls in die Jahre gekommen. Man kann nur hoffen, dass sie einmal mit demselben hohen Gestaltungsanspruch modernisiert werden, mit dem sie einst errichtet wurden. ~Christian Schönwetter   Eine ausführliche Darstellung der Lorcher Schulbauten finden Sie hier. Weitere Gebäude von Behnisch Architekten: Nationales Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg Marco-Polo-Tower in Hamburg Unilever-Zentrale in Hamburg