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Taut baut

Geschichten zur Architektur von Max Taut. Mit Beiträgen von u. a. Max Dudler, Vittorio M. Lampugnani und Annette Menting. 80 S., 60 Abb., Klappenbroschur, 20 Euro, Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2017

~Carsten Sauerbrei

Wäre das hier besprochene Buch ein Haus Max Tauts, wie sähe es dann wohl aus? Es wäre eines seiner kleineren Werke, unprätentiös im Auftreten und dennoch mit nicht weniger Qualität ausgeführt als seine großen Bauten. Es könnte sich z. B. um das Wohnhaus in der Berliner Siedlung Eichkamp handeln, das als eines von zwölf Gebäuden in dieser vom Werkbund Berlin herausgegebenen Publikation vorgestellt wird. Aber leider, dieses Buch ist nicht wie die Häuser Tauts. Auf den ersten Blick zwar schon: Das Titelblatt ziert ein ganzseitiges Bild eines feingliedrigen Tautschen Treppenhauses. Typografie und Layout sind klar strukturiert und dennoch lebendig mit zurückhaltenden Farbigkeit in Rot und Schwarz. Auch die ersten Buchseiten enttäuschen diesen guten Eindruck nicht: Das Vorwort der Geschäftsführerin des Werkbunds Berlin, Angelika Günter, und der einleitende Überblick zu Tauts Werk von der Autorin des Standardwerks zum Architekten, Annette Menting, sind ebenfalls übersichtlich und lebendig gestaltet und bieten erste Informationen zu Buch und Bauten. Der Hauptteil jedoch, mit Bildern des Fotografen Stefan Müller und persönlich gehaltenen Texten verschiedener Autoren mit Bezug zu den vorgestellten Gebäuden, erfüllt kaum die geweckten Erwartungen. Die Auswahl der zwölf Bauten ist zwar durchaus repräsentativ für Tauts Werk und reicht mit der Knabenschule Finsterwalde am Beginn seines Schaffens und dem Wohnhaus auf der Berliner Interbau 1957 bis zu dessen Ende. Auch bildet die Projektauswahl mit Wohngebäuden, Schulen, Kranken- und Gewerkschaftshäusern die wichtigsten Bauaufgaben in Tauts Werk ab. Gestaltung und Inhalt der Bauporträts sind jedoch von schwankender Qualität. Die Fotografien sind leider keineswegs immer so großformatig wie vom Verlag beworben, auch wird nur ein Bild pro Bauwerk farbig abgedruckt, die anderen sind nur in minderer Qualität und in Schwarz-Weiß. Darüber hinaus gehen die Texte oft nicht über das Trocken-Historische oder das Banal-Anekdotische hinaus. Ausnahmen wie die poetischen Baubeschreibungen Hanns Zischlers, Wim Wenders und Jenny Schillys können den insgesamt enttäuschenden Eindruck nur wenig mildern.