Pop Art in Great Britain

This was Tomorrow. Von Ralf Beil und Uta Ruhkamp (Hrsg.). 420 S., 320 Abb., Hardcover, 49,80 Euro, Wienand Verlag, Köln 2017

~ Hartmut Möller

»This is Tomorrow« lautete der programmatische Titel einer Londoner Ausstellung im August 1956. Maler, Bildhauer, Architekten und andere Kreative hatten sich zusammengefunden, um Hoch- und Massenkultur zu verschmelzen. Eine spartenübergreifende Melange aus Gemälden, Skulpturen, räumlichen Utopien, Werbung, Fotos und Film als farbenfroher Befreiungsschlag von (Kunst-)Hierarchien und sexuellen Tabus. Gut 60 Jahre später würdigt die vorliegende Publikation einen Paukenschlag, der aus heutiger Sicht den Ursprung der britischen Pop-Art begründete. Nach Einleitung zur Aktualität und Entstehungsgeschichte des UK Pop 1947-1968 findet sich im Buch eine Zeitleiste, die britische, amerikanische und internationale Ereignisse während dieser Phase in Bezug setzt. Die folgenden Kapitel befassen sich dann mit den entscheidenden Vertretern dieser Bewegung, namentlich Eduardo Paolozzi, Nigel Henderson, Richard Hamilton, Peter Blake, David Hockney, R.B. Kitaj, Derek Boshier, Pauline Boty, Peter Phillips, Gerald Laing, Allen Jones, Colin Self, Jann Haworth, Antony Donaldson, Patrick Caulfield, Richard Smith und Joe Tilson. Anhänger der bauenden Zunft dürften sich aber vor allem für das biomorphe »House of the Future« der Baukünstler Alison & Peter Smithon, den »Fun Palace« von Cedric Price oder die Städtebauvisionen von Archigram interessieren. Textliche Analysen zu den jeweiligen Protagonisten werden großzügig, oftmals ganzseitig illustriert. Die Bildauswahl richtet sich dabei nach den Exponaten der jüngsten Schau im Wolfsburger Kunstmuseum, für die der Band als Katalog diente. Zwischendurch eingestreute Erläuterungen unterschiedlicher Autoren u.  a. zur 1952 gegründeten Künstlervereinigung »Independent Group«, zur Multimedia-Installation »Fun House« und allgemeine Abfassungen zur Pop-Art lockern die präsentierte Werkschau auf. Der über zweieinhalb Kilo schwere Wälzer eignet sich gewiss nicht als Reise- oder Bettlektüre. Vielmehr gestattet er dem Leser das mußestündliche Abtauchen in eine bewegte Vergangenheit, gern auch zu den Klängen der Beatles, Rolling Stones, The Who, David Bowie und anderen akustischen Klangperlen jener Zeit.