Oskar Schlemmer. Meister der tanzenden Form.

Oskar Schlemmer

Meister der tanzenden Form. Von Elke Beilfuß. 160 S., 54 farb. und S/W-Abb., franz. Broschur, 14,90 Euro, Weimarer Verlagsges. 2016

»Weimar (…) will nur von den Zinsen seiner Großen leben und störrisch sperrt es sich gegen jedes Neue und Jugendliche ab, auch wenn draußen die Welt voll des Neuen ist.« Das schrieb der Bauhausschüler Georg Calmann 1919. Damit scheint er vorwegzunehmen, was in den folgenden sechs Jahren bis zum Umzug des Bauhauses nach Dessau geschah. Ständig hatte die Schule zu kämpfen, sei es mit den Stadtoberen, finanziellen Engpässen oder eigenen Studenten mit deutschnationalem Einschlag. Wie sie bei all dem dennoch Neues etablieren und innerhalb dieser recht kurzen Zeit ihre Identität entwickeln konnte, beschreibt die »Kleine Personenreihe | Bauhaus« der Weimarer Verlagsgesellschaft anhand von neun Meister-Persönlichkeiten, von Klee über Feininger bis Stölzl. 2015 begonnen, sollen alle neun Bände bis Ende dieses Jahres erschienen sein – rechtzeitig, um noch vor dem großen Jubiläum nach Weimar zu reisen und sich dort auf die Spuren der Meister zu begeben. Denn neben dem biografischen Schwerpunkt enthalten die Bände einen Stadtplan, in dem wichtige Orte, Treffpunkte und die Wohnungen einiger Meister benannt werden. Ähnlich liebevoll detailliert geht die Autorin in der Biografie vor. Sämtliche Kapitel sind gespickt mit Quellenangaben aus persönlichen Aufzeichnungen Schlemmers, der Reihe der »Bauhausbücher«, Akten im Thüringischen Hauptstaatsarchiv, neuerem Filmmaterial und zahlreichen Referenzwerken seit 1958. Hauptaugenmerk liegt auf der 1922/23 geplanten Bauhauswoche, aus der nur eine Ausstellung wurde, auf Schlemmers Arbeit für die Bühne und deren Stellenwert sowie auf der Wandgestaltung des Treppenhauses. Beginnend mit Schlemmers Leben vor dem Bauhaus – Studium in Stuttgart und Berlin, Freundschaften mit anderen Künstlern, Kriegsteilnahme, erste Werke –, sind im Hauptteil einige Exkurse gesetzt, etwa zu Fragen der Gestaltung oder über die (nicht sonderlich erfolgreiche) Tätigkeit des Bruders Carl für das Bauhaus. Die Enkelin Oskar Schlemmers konnte außerdem für ein persönliches Vorwort gewonnen werden. So ist ein vielseitiges Porträt entstanden, bei aller Knappheit umfassend, mit hochwertigen Abbildungen und dazu ein guter Reisebegleiter. Einzig der »tanzenden Form« aus dem Untertitel wird nicht Genüge getan. ~dr