Architekturbild(Frankfurt a. M.)

~Franziska Puhan-Schulz

Im Mai wurde zum 12. Mal der »European Architectural Photography Prize« vergeben. Am Wettbewerb nahmen Fotografen aus zehn Ländern, u. a. aus Japan, Großbritannien und den USA, teil. Von den 131 Wettbewerbsbeiträgen wurden 28 Bildserien bestehend aus jeweils vier Fotografien, prämiert und werden derzeit im 3. OG des DAM präsentiert.
Die internationale, fachübergreifend besetzte Jury unter dem Vorsitz von Celina Lundsford, der künstlerischen Leiterin des Fotografie Forums Frankfurt, ließ viele Interpretationsmöglichkeiten des diesjährigen Themas »Grenzen« zu. Der 1. Preis ging zwar an Andreas Gehrke, der Flüchtlingsunterkünfte in Berlin thematisierte, die echten Überraschungen fanden sich jedoch unter den anderen drei mit je einem 2. Preis ausgezeichneten Bildserien: »Die im Dunkeln«, von Wilhelm Schünemann, zeigt Glasfassaden auf dem Bundestagsgelände, in denen sich etwas verunklärt Gebäude von Unternehmen und großen Konzernen, die dort ihre Lobbyarbeit verrichten, spiegeln. Dagegen veranschaulicht Daniel Pollers Serie »stone record« den ewigen Zyklus von Umbau, Abriss und Neubau anhand baulicher Kontraste. Mathias Jung zeigt vernagelte Öffnungen von Hausfassaden in Nordrhein-Westfalen.
Unter weiteren fünf mit Auszeichnungen prämierten Fotoserien von Wolfram Janzer, Alexander Beck, Martin Dziuba, Philippe Grollier und Sally-Ann Norman sticht die Arbeit der Letztgenannten durch ihren augenzwinkernden Charme »Hedges« heraus. Die britische Architekturfotografin zeigt Vorstadthäuser, die hinter riesigen, getrimmten Hecken hervorlugen. Ein solch »kulturalisiertes Grün« will erst einmal gefunden sein.
Völlig anders, aber ebenso sympathisch, mit seinem sezierenden Blick für reduzierte Linienführung ist die Serie des Fotografen Quintin Lake, die sich unter den 19 Anerkennungen findet. Der ehemalige Architekt hat auf seiner 10 000 km langen Wanderung entlang der britischen Küste bauliche Eingriffe in die Natur, wie z. B. eine Betonrampe, die als Wellenbrecher fungiert, fotografisch festgehalten. Ansonsten könnte die Bandbreite der Bildthemen kaum größer sein. Sie reicht von getarnten Verteidigungsanlagen entlang der Schweizer Landesgrenze über verfallende majestätische Bauwerke portugiesischen Kolonialstils auf São Tomé bis hin zu modern gestalteten Kirchenkanzeln.
Grenzen, die sonst überall in unserer (gebauten) Umwelt beinahe unsichtbar oder nur subtil spürbar sind, werden in den ausgezeichneten Fotoarbeiten deutlich. So verhilft die Ausstellung im DAM einem eher leisen Thema durch das Prädikat der fotografischen Qualität zu einer breiten Öffentlichkeit.
{Bis 6. August, Architekturbild. Deutsches Architekturmuseum, Schaumainkai 43, 60596 Frankfurt a. M., Di-So 11-18, Mi bis 20 Uhr, Katalog: architekturbild e.v. (Hrsg.), Deutsch/Englisch, 24,80 EUR, www.dam-online.de