Typische Querschnitte von Dachterrassen: keramischer Plattenbelag im Klebebett auf Estrich und Dränschicht, Warmdachaufbau
Betonwerksteinplatten im Splittbett, Umkehrdachaufbau
Naturwerksteinplatten auf Stelzlager auf Bautenschutzmatte, Warmdach mit Kunststoffbahnenabdichtung
Aussinterungen am Plattenbelag im Mörtelbett bei fehlendem Gefälle auf der Abdichtungsebene
Gehwegplattenbelag mit zu engen und zugesetzten Belagsfugen – eine solche Oberfläche muss Gefälle haben
Aufgestelzter Terrassenbelag mit stehendem Wasser, das zu Geruchsbelästigungen führt
Grundrissausschnitt der Dachterrasse mit Kennzeichnung des Gefälles auf der Abdichtung und dem Belag
Teilansicht der schmalen Dachterrassenstreifen
Fugenbild und erster Fugenbewuchs des mit Gefälle zur Brüstung verlegten Belags im Bereich eines verdeckt liegenden Ablaufs
Schichtenfolge des Belags mit Wellenband in der Fuge und oberseitigen Ab-lagerungen
Über dem Ablauf durchlaufende Drän- und Filterschicht
Typischer Türanschluss; nicht bis zur Laibung geführte Entwässerungsrinne mit Filternetz unter dem Gitterrost
Entwässerung der Rinne über die Dränmatte und das mit Lochblechen abgestellte Splittbett
Dachterrassen – Gefälle und Entwässerung

1, 2 oder 3?

Der häufige Streit über das notwendige Gefälle von Dachterrassen ist nicht verwunderlich, geht es doch meist um die Abwägung der Vor- und Nachteile im Gefälle liegender Schichten, ohne dass Schäden vorliegen. Das Bewertungsergebnis hängt dann entscheidend davon ab, welches Gewicht man den verschiedenen Beurteilungskriterien beimisst. Die wesentlichen Aspekte werden im Folgenden dargestellt.

Text und Fotos: Rainer Oswald

Beim Problem des Gefälles auf Dachterrassen müssen grundsätzlich zwei Aufgaben unterschieden werden: Die Ableitung des unmittelbar auf die Belagsoberfläche auftreffenden Niederschlagswassers und die schadenfreie Abführung des durch die Belagsschichten bis zur Dachterrassenabdichtung vordringenden Sickerwassers. Man kann unter den extremen Klimabedingungen auf bewitterten Belägen im Regelfall nämlich nie davon ausgehen, dass die Belagsfugen selbst so absolut dicht sind, dass Niederschlagswasser vollständig auf der Belagsoberfläche abgeleitet wird.
Niemand wird bestreiten, dass eine zügige Wasserableitung sowohl von der Belagsoberfläche als auch von der Abdichtungsebene bei Dachterrassen grundsätzlich nützlich ist: Es bilden sich keine störenden Pfützen und so kann das lang anhaltend stehende Wasser auch nicht schädigend auf den Belag oder die Abdichtung einwirken. Eine vollständige Pfützenfreiheit würde aber erheblich mehr als 3 % Gefälle notwendig machen. Andernfalls sind aufgrund der Deckendurchbiegung, der zulässigen Ebenheitstoleranzen und der Höhenversprünge an Bahnenüberlappungen geringe Pfützen nicht vermeidbar. Ein so deutliches Gefälle auf Belagsoberflächen behindert die Nutzung allerdings stark. Ein entsprechend großes Gefälle auf der Abdichtung lässt die notwendige Konstruktionshöhe der Dachterrasse erheblich anwachsen. Das wiederum hat aber vor allem bei Bauten mit barrierefreien, niveaugleichen Türschwellen kostspielige konstruktive Konsequenzen, wird doch ein sehr deutlicher Höhenversatz in der Deckenunterkonstruktion am Übergang zwischen Dachterrassen und Innenraum unumgänglich. Das in den Regelwerken für Terrassenbeläge mit 1- 2 % und für die Abdichtung mit 2 % empfohlene Mindestgefälle stellt daher ohnehin schon einen Kompromiss dar, der keine absolute Pfützenfreiheit mehr garantiert. Zwänge hinsichtlich der möglichen Lage von Abläufen und Fallrohren, bei formal anspruchsvollen Gebäuden vor allem aber auch der Wunsch nach geometrisch klaren Baukörperbegrenzungen ohne schräg verlaufende Oberflächen lassen immer wieder die Frage aufkommen, ob denn ein Gefälle wirklich nötig ist. Schließlich ist eine absolute Pfützenfreiheit kaum realisierbar; Abdichtungen müssen zudem auch bei stehendem Wasser dicht sein. Die Frage ist nicht generell mit Ja oder Nein zu beantworten, sondern die Antwort erfordert eine differenzierende Betrachtung der konstruktiven Randbedingungen, die vor allem durch die Bauweise des Belags bestimmt werden.
Bauweisen und Regelwerke
Grundsätzlich stehen für Dachterrassenbeläge drei allgemein anerkannte Konstruktionstypen zur Verfügung (vgl. Abb. 1-3):
  • 1. der unmittelbar im Mörtelbett oder auf Estrich im Klebebett verlegte Fliesen- oder Plattenbelag auf Dränschicht,
  • 2. die lose im Splittbett und
  • 3. die auf Stelzlagern verlegten Plattenbeläge.
Weder das für die Beläge maßgebliche Regelwerk, das ZDB-Merkblatt »Außenbeläge – Belagskonstruktionen mit Fliesen und Platten außerhalb von Gebäuden« (Oktober 2005) noch der für Abdichtungen auf genutzten Dachflächen anzuwendende Teil 5 »Abdichtungen gegen nichtdrückendes Wasser auf Deckenflächen …« der Bauwerksabdichtungsnorm DIN 18 195 (August 2000) sehen für Dachterrassen den für Balkone schon weit verbreiteten vierten Konstruktionstyp vor:
4. den unmittelbar auf Verbundabdichtung aufgeklebten Fliesen- oder Plattenbelag.
Vorbehalte gegenüber der Dauerhaftigkeit und der Zuverlässigkeit flüssig aufgetragener Abdichtungssysteme sind der Grund, warum die Regelwerke derartige Schichtenfolgen als alleinige Abdichtung bisher nur für die weniger schützenswerten Balkonoberflächen vorsehen. Die Untergründe für Flüssigabdichtungen sind bei Balkonen auch einfacher, fehlen doch auf Dämmstoffen aufliegende, mit Dehnfugen zu versehene Lastverteilungsschichten. Nach dem Erscheinen der »Leitlinie für die europäische Zulassung für flüssig aufzubringende Dachabdichtungen« ETAG 005 (Februar 2005) ist eine Revision der Regelwerke absehbar. Darüber wird in der Schwachstellen-Artikelserie aber demnächst gesondert zu berichten sein.
Plattenbeläge im Mörtelbett
Bei Plattenbelägen im Mörtelbett ist die Frage nach der Notwendigkeit eines Gefälles kein Diskussionspunkt: Die Abdichtung und der Belag sind zwingend mit Gefälle zu verlegen. Es muss dafür gesorgt werden, dass auf der Abdichtung kein Wasser steht, das Frost- und Ausblühschäden im Belag zur Folge hat (Bild 4), und es muss weiterhin eine deutliche Pfützenbildung auf der Belagsoberfläche vermieden werden. Im Teil 5 von DIN 18 195 wird diese Notwendigkeit ganz unmissverständlich angesprochen: »Können sich selbst geringfügige, aber länger einwirkende Mengen stehenden Wassers (z. B. Pfützen) schädigend auf Schutz- und Belagsschichten auswirken (z. B. bei Plattenbelägen im Mörtelbett) …, so ist durch eine planmäßige Gefällegebung oder andere Maßnahmen (z. B. Abläufe in den durch Durch- biegung entstandenen Mulden) für eine vollständige Wasserableitung zu sorgen. Dies gilt dann besonders auch für die Kehlen zwischen Gefälle- flächen.«
Im Splittbett oder aufgestelzt verlegte Beläge
Gefällelos sind daher nur Plattenbeläge ausführbar, die im Splittbett liegen oder aber aufgestelzt gelagert sind. Die Platten müssen in der Regel großformatig (40 x 40 cm) und relativ dick (35-50 mm) dimensioniert sein, damit der Belag sicher liegt und nicht bricht.
Prinzipiell ist dann die Entwässerung des Belags auch bei gefälleloser Oberfläche über offene Belagsfugen möglich, wenn diese mindestens 4 mm breit sind und die Nutzungsrandbedingungen ein schnelles Zusetzen nicht befürchten lassen (Bild 5). Für ein sachgerecht zusammengesetztes Splittbett ist stehendes Wasser auf der Abdichtung unproblematisch. Natürlich muss dann die Dachterrassenabdichtung für die erhöhte Beanspruchung aus stehendem Wasser (Gefälle < 2 %) ausgelegt sein. Die Flachdachrichtlinien sprechen hierbei vom erhöhten Abdichtungsaufwand für »Sonderkonstruktionen«: Bei Bitumenbahnen sind dann zwei Lagen Polymerbitumenbahnen erforderlich und bei Kunststoffbahnen ist mit einer um 0,3 mm gegenüber der Mindestdicke vergrößerten Bahnendicke abzudichten (s. Qualitätsklassen K1 und K2 für nicht genutzte Dachflächen in DIN 18 531).
Zu bedenken ist dann allerdings immer noch, dass in größeren Mengen lang anhaltend unter dem Belag stehendes Wasser zu Geruchsbelästigungen führen kann (Bild 6). Deshalb sollten tiefe Pfützen – auch unter aufgeständerten Belägen – vermieden werden. Bei Umkehrdächern darf die Dämmstoffoberseite nicht lang anhaltend überstaut sein, weil sonst durch Tauwasserbildung eine hohe Wasseraufnahme des Dämmstoffs möglich ist.
Schlussfolgrungen zur Gefällegebung
Unter folgenden Randbedingungen können demnach sowohl Belags- als auch Abdichtungsoberfläche gefällelos beziehungsweise mit geringem Gefälle realisiert werden:
  • der Plattenbelag muss dauerhaft über ausreichend breite Fugen entwässern können;
  • die Abdichtung der Dachterrasse muss für stehendes Wasser dimensioniert werden;
  • großflächige und tiefe Pfützen müssen durch eine Mindestgefällegebung oder durch Spachtelausgleichsschichten bei größeren Unebenheiten auf der fertiggestellten Abdichtung so weit vermieden werden, dass Geruchsbelästigungen und bei Umkehrdächern ein langfristiges Überstauen der Dämmung ausgeschlossen sind. ›
Dachterrassenentwässerung
Über das Thema der Gefällegebung auf Dachterrassen darf selbstverständlich nicht gesprochen werden, ohne detaillierter auf die Entwässerung einzugehen. Schließlich bestimmen die Entwässerungsmöglichkeiten die Aufbauhöhen für das erforderliche Gefälle und die Gestaltung der Gefälle- flächen. Im folgenden Fallbeispiel sind die immer wiederkehrenden, typischen Streitpunkte anzutreffen.
konstruktive Situation
Die mit einem Flachdach abschließende Dachgeschosswohnung einer hochwertig ausgestatteten, viergeschossigen Eigentumswohnanlage liegt gegenüber den darunter liegenden Geschossen so deutlich zurückversetzt, dass ihre Außenwände fast allseitig von Dachterrassen umgeben sind. An drei Fassadenseiten schließt der knapp 1 m breite Dachterrassenstreifen mit gemauerten Brüstungen ab (Bild 8). Lediglich an den südlichen Gebäude-ecken verbreitern sich die Freiflächen durch vorkragende Balkone, die durch Geländer und nicht aufgekantete Ränder begrenzt werden (vgl. Grundrissauszug Abb. 7). Die Terrassenflächen können über Flügeltüren beziehungsweise Schiebetüranlagen mit niveaugleichen Schwellen mit vorgelagerten Gitterrosten betreten werden. Mit Ausnahme des großflächigen Terrassenbereichs sind die Türen nicht durch vorkragende Dächer geschützt.
Der großformatige, 30 mm dicke Granitplattenbelag liegt in 60 mm Splittbett auf Dränplatten mit oberseitiger Vliesabdeckung. In den schmalen Bereichen weist die Belagsoberfläche etwa 0,5-1 % Gefälle zu den geschlossenen Brüstungen hin auf (Bild 9). Das Gefälle im Abdichtungsuntergrund aus zweilagigen Polymerbitumenbahnen verläuft zu mehreren, verdeckt unter dem Granitbelag angeordneten Abläufen. Die Belagsoberfläche soll demnach ausschließlich über die rund 5 mm breiten Belagsfugen entwässert werden, in denen Kunststoffwellbänder als Abstandshalter dienen (Bild 10). Die mit Gitterrosten abgedeckten Rinnen vor den Türen enden seitlich einige Zentimeter vor den Türlaibungen (Bild 12). Die Gitterroste werden über die unmittelbar anschließende, 2 cm hohe Dränschicht und über das mit Lochblechen abgestellte Splittbett entwässert (Bild 13), besitzen also keinen eigenen Ablauf oder Entwässerungskanal zu den vorhandenen Flächenabläufen. Damit sich die Dränschicht im Bereich der Gitterroste nicht zusetzt, liegt unter dem Gitterrost ein Filternetz, das gröbere Verunreinigungen zurückhalten soll (Bild 12). Notüberläufe gibt es in den lang gestreckten, schmalen Balkonbereichen mit geschlossenen Brüstungen nicht – wohl aber gehen diese Bereiche nahtlos in die Balkonzonen ohne deutlich aufgekantete Ränder über.
Streitfragen
Im Zuge der Abnahme der Wohnanlage wurden fast alle Fragen diskutiert, die für Dachterrassenentwässerungen typisch sind:
  • 1. Funktioniert eine Gitterrostentwässerung über Dränschichten dauerhaft?
  • 2. Reicht es aus, den Belag allein über seine Fugen zu entwässern, obwohl sich bereits nach wenigen Monaten Nutzungszeit viele Fugen zugesetzt hatten und ersten Bewuchs zeigen (Bilder 9 und 10)?
  • 3. Ist es überhaupt fachgerecht, Abläufe unzugänglich unter dem Belag »zu verstecken«?
  • 4. Bieten Gitterroste, die den Türschwellenanschluss nicht auf voller Breite erfassen, einen hinreichenden Spritzwasserschutz?
  • 5. Ist der Notüberlauf bei Starkregen vor allem auch angesichts der niveaugleichen Türschwellen und der teilweise sehr weiten Entfernung zwischen diesen Türschwellen und dem abgesenkten Balkonrand sichergestellt?
Bei der Beurteilung der baukonstruktiven Situation war zu berücksichtigen, dass sich das Gebäude in einer gering schlagregenbelasteten Gegend befindet und die überwiegend kleinen, schmalen Dachterrassenstreifen geschützt liegen.
Entwässerung von Gitterrostrinnen
Grundsätzlich entspricht die Entwässerung von Gitterrostrinnen allein über eine Dränschicht nicht den Empfehlungen beispielsweise der Flachdachrichtlinien. Dort wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass wannenförmige Entwässerungsroste einen »direkten Anschluss an die Entwässerung« haben sollten; dies bedeutet im Regelfall die Verlegung einer wart- baren Leitung oder eines Kanals im Splittbett von Gitterrost zum Ablauf.
Aufgrund des Filtergitters unter dem Gitterrost ist hier ein Zusetzen der sehr großzügig dimensionierten Dränmatte von 20 mm Höhe unter dem ebenfalls als Dränschicht dienenden Splittbett sehr unwahrscheinlich. Schließlich hätte man diesen Belagsaufbau auch ganz ohne Dränmatte realisieren können. Die Gitterroste können als hinreichend direkt entwässert angesehen werden – obwohl es grundsätzlich empfehlenswert ist, wartbare Entwässerungskanäle einzubauen, die bei Aufbauhöhen von 60 mm auch leicht realisierbar gewesen wären.
Entwässerung über Belagsfugen
Die Hauptentwässerung erfolgt über die Fugen des Plattenbelags, der kein Gefälle zu den Türgitterrosten, sondern zu den Brüstungen hin aufweist. Die in den Fugen angeordneten Wellbänder halten die Fuge zwar im unteren Bereich frei, filtern aber die Schmutzteile so im oberen Fugenbereich ab, dass dort in sehr kurzen Abständen gereinigt werden muss, wenn es nicht zum Zusetzen und zum Bewuchs kommen soll. Aufgrund des Gefälleverlaufs setzen sich die Fugen besonders schnell unmittelbar vor den Brüstungen zu. Veralgungen und Vermoosungen werden dann die Folge sein.
Wenn man auch dem Nutzer einen gewissen Wartungsaufwand zumuten kann, so ist es doch ungünstig, im vorliegenden Fall die linienförmige Belagskehle vor den Brüstungen nicht unmittelbar an die Entwässerung anzuschließen. Es wurde daher entschieden, nachträglich in regelmäßigen Abständen vor den Brüstungen weitere Gitterroste anzuordnen (es wäre auch eine durchgehende Schlitzrinne denkbar), die dann unmittelbar an die Abläufe anzuschließen sind.
Dieser Aufwand wäre vermeidbar gewesen, wenn der Belag in den schmalen Terrassenbereichen mit Gefälle zu den vielen Türgitterrosten hin verlegt worden wäre. DIN 18 195 weist zwar in Teil 9 darauf hin, dass das Oberflächengefälle »nicht zur Tür hin gerichtet sein sollte«; angesichts des ohnehin geringen Gefälles unter 1 % und einer Gefällestrecke von weniger als 1 m wäre hier eine Lösung, die nicht der grundsätzlich richtigen Normenempfehlung folgt, vernünftiger gewesen.
Verdeckt liegende Abläufe
Verdeckt liegende Abläufe sind zwar in formaler Hinsicht vorteilhaft, da die großzügige, ruhige Fläche des großteiligen Granitbelags nicht unterbrochen wird, sie haben allerdings in technischer Hinsicht Nachteile:
die Abläufe können schwallartig zudringendes Regenwasser (Starkregenereignisse) nicht kurzfristig aufnehmen, da erst ein längerer Sickerweg zurückgelegt werden muss;
• die Abläufe sind für Wartungsarbeiten nur schwer zugänglich.
Die Nachteile werden hier noch durch den Umstand vergrößert, dass die Belagsfugen zum Zusetzen neigen. Die Regelwerke (das Merkblatt des ZDB) sehen daher verdeckt liegende Abläufe lediglich für aufgestelzte Plattenbeläge vor, da deren Fugen sicherer offen bleiben. Unabhängig von der Frage der Zuverlässigkeit der Aufnahme des anfallenden Niederschlagswassers müssen Abläufe wartbar sein. DIN 18 195 führt in Teil 9 dazu aus: »Zu wartende Bauteile, z. B. Abläufe bei Abdichtungen gegen nichtdrückendes Wasser, sind so anzuordnen und die weiteren Aufbauschichten ›
› so zu gestalten, dass eine einfache Zugänglichkeit gewährleistet ist.« Bei verdeckt liegenden Abläufen ist daher zumindest die Stelle, an der der Ablauf liegt, angemessen zu kennzeichnen.
Gestaltung der Gitterroste
Gitterroste sollten grundsätzlich über die volle Breite der zu schützenden niveaugleichen Türschwellen reichen. Die Beantwortung der Frage nach der Bedeutung eines nicht vollständigen Spritzwasserschutzes ist natürlich davon abhängig, wie stark die jeweilige Türanlage wasserbelastet ist und wie sorgfältig die Bauwerksabdichtung an die Schwelle – insbesondere aber auch im seitlichen Laibungsbereich – angeschlossen wurde. Ist die Wasserbelastung eher gering und ist an den Anschlüssen sachgerecht und mit Sorgfalt gearbeitet worden, so wird die nicht vollständige Erfassung der gesamten Türbreite keine nennenswerte Verminderung der Zuverlässigkeit zur Folge haben.
Notüberläufe
Angesichts der sehr kleinen Flächenabmessungen war im vorliegenden Fall auch ohne rechnerischen Nachweis abzuschätzen, dass die freien Ränder im Bereich der Balkone im Sinne der Regelwerke für die gesamte Terrassen- fläche als Notüberlauf für Starkregenereignisse ausreichen.
Im vorliegenden Streitfall waren demnach lediglich die Gitterrostabläufe entlang der Balkonbrüstungen nachzurüsten und die Lage der Abläufe zu kennzeichnen.
Schlussfolgerungen zur Entwässerung
Aus dem dargestellten Fall lassen sich folgende allgemeine Regeln ableiten:
  • Nur bei aufgestelzten Belägen ist die ausschließliche Entwässerung über die Belagsfugen sicher realisierbar; sonst ist das Oberflächenwasser direkt den Abläufen zuzuführen. Es müssen dazu nicht unbedingt obere Ablaufstockwerke eingebaut werden, es kann beispielsweise auch im Bereich des Ablaufs eine Belagsplatte durch einen entsprechend dimensionierten Gitterrost ersetzt werden.
  • Bei verdeckt liegenden Abläufen muss deren Lage dauerhaft und unmissverständlich auffindbar sein (»gekennzeichnete Revisionsplatte«).
  • Gitterrostrinnen sollten möglichst über die gesamte Türbreite reichen und – bei Plattenbelägen im Mörtelbett und Plattenbelägen im Splittbett – entweder unmittelbar entwässert werden oder aber über wartbare Kanäle an die Flächenabläufe angeschlossen werden.
  • Besonders zu beachten ist die Einhaltung der verschärften Notüberlauf-regelungen für Dächer (s. Schwachstellen db 11/2006).
Die dargestellten Schlussfolgerungen zur Gefällegebung und Entwässerung sollten als Empfehlungen, nicht aber als strenge Regeln aufgefasst werden: Wichtiger als die Kenntnis von Regeln ist das Verständnis für die technischen Zusammenhänge, damit man in den immer wieder wechselnden Einzelfällen mit Vernunft die angemessenste Lösung findet. •
Literaturhinweise:
Merkblätter des Zentralverband des Deutschen Baugewerbes: Außenbeläge – Belagskonstruktionen mit Fliesen und Platten außerhalb von Gebäuden (Oktober 2005); Hinweise für die Ausführung von Verbundabdichtungen mit Bekleidungen und Belägen aus Fliesen und Platten für den Innen- und Außenbereich (Januar 2005)
DIN 18 195-5: 2000-08 Bauwerksabdichtungen, Teil 5: Abdichtungen gegen nichtdrückendes Wasser auf Deckenflächen und in Nassräumen, Bemessung und Ausführung
DIN 18 195-9: 2004-03 Bauwerksabdichtungen, Teil 9: Durchdringungen, Übergänge, An- und Abschlüsse
Flachdachrichtlinien – Fachregeln für Dächer mit Abdichtungen des Deutschen Dachdeckerhandwerks (Ausgabe 2001, mit Ergänzungen September 2003)
ETAG 005, Teile 1-8: Leitlinie für die europäische technische Zulassung für flüssig aufzubringende Dachabdichtungen (Februar 2005)
DIN EN 12056-3: 2001-01 Schwerkraftentwässerungsanlagen innerhalb von Gebäuden, Teil 3: Dachentwässerung, Planung und Bemessung
DIN 1986-100: 2002-03 Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke, Teil 100
Weitere Details zur Ausführung von genutzten Dachflächen sind dem Fachbuch Oswald, Rainer, und Heinrich Rojahn: Schäden an genutzten Flachdächern , in der Reihe Schadenfreies Bauen, Band 35, Fraunhofer IRB-Verlag 2005, Stuttgart, zu entnehmen (aus diesem Fachbuch stammen auch die Abbildungen 1-6)
Zu Dachterrassentürschwellen siehe Schwachstellen – Dachterrassentürschwellen und Vordächer – über den Umgang mit schadensträchtigen Gebäudebereichen. In: db 3/2001