Spiel mit Tempo und Bildern

~Uta Winterhager
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Während man auf die Kölner Severinsbrücke auffährt, zieht seit Neuestem plötzlich eine Gruppe von Pferden, Reiter auf dem Rücken, an einem vorbei. Die Szene spielt sich auf der Fassade eines sogenannten Unterwerks ab. Hier werden 10 000 V Wechselstrom in 750 V Gleichstrom für die Oberleitungen der Stadtbahn umgewandelt. Etwa 50 dieser Bauten gibt es im Stadtgebiet – jedes so groß wie ein Einfamilienhaus. Grund genug für die Stadt, die KVB per Auflage zu verpflichten, sich um deren Erscheinungsbild zu kümmern.
Im Auftrag der KVB hat Ute Piroeth gemeinsam mit dem Berliner Künstler Wolfgang Rüppel (s. auch db 1-2/2014, S. 8) nun das Unterwerk »Im Sionstal« gestaltet. Doch es ging nicht nur um Fassadenkosmetik. Piroeth konnte bei der Platzierung des Baus und nach längeren Diskussionen auch bei der Form Einfluss nehmen. So wurde das 21 m lange Bauwerk (hochwassersicher) schräg auf der von der Brückenrampe eingefassten Grünfläche platziert. Um die Raumkante noch deutlicher auszubilden, sah die Architektin einen Knick im Grundriss vor. Diese Form mit Standard-Betonteilen zu verwirklichen, war eine Herausforderung.
Für Rüppel stellt die bewegte Gruppe der Pferde und Reiter einen inhaltlichen Bezug zum Zweck des Bauwerks, zur Bewegung in der Stadt her. Aus mehreren einzelnen Bildern stellte er eine Collage zusammen, rasterte das Bild mit 6 cm im Vierfarbmodus und erzeugte damit ein seltsam verfremdetes Motiv. Denn die Quadrate des Rasters zerrissen im Bearbeitungsprozess zu gelbem, türkisem, pinkem und schwarzem Konfetti, erst mit zunehmendem Abstand tauchen Reiter und Pferde, grau aber scharf, im Farbnebel auf. Wie viel der Betrachter sieht, hängt vom Standpunkt ab.
Das Bild sitzt auf vorgehängten Vierkant-Aluprofilen. In einem aufwendigen Verfahren wurden sie zweifarbig weiß und rostbraun pulverbeschichtet. Dann wurde das Motiv auf die Schmalseiten gedruckt. Die Profile sind in einem 45 °-Winkel montiert, sodass sie zwei Seiten zeigen. Die eine wird zum Bildträger, die andere zeigt den rostbraunen Ton.
An vielen Stellen kann Köln schöner werden. Hier wurde einmal ganz wunderbar die Chance genutzt, den bislang verschenkten Raum dieser Verkehrsinsel zu einem besonderen Ort zu machen.