Bauakademie
Bauakademie Berlin (Schinkel)
Allianz der Schulterklopfer vergibt (einmal wieder) alle Chancen und fördert die Musealisierung der Berliner Mitte

Projekt Bauakademie: absurd

Die Zwischenbilanz der kaum genug zu lobenden Initiative »10 Thesen zu einer neuen Bauakademie« – gestartet von Oliver Elser, Florian Heilmeyer und Ulrich Müller – fällt niederschmetternd aus: Bundesbauministerium und Haushaltsausschuss des Bundestags faseln zwar gerne vom »Geist Schinkels …, der wie kein anderer für den Beginn der Moderne in der Architektur steht«, wollen in der rekonstruierten Bauakademie aber eigentlich nur das eigene Tun, das des (gegenüber ansässigen) Auswärtigen Amts, des DAI und ggf. noch eines ganzen Bauchladens weiterer Institutionen präsentieren – und fordern dies mit starrsinnig erscheinender Zielstrebigkeit ein. Mit »Bauakademie« im Wortsinn oder »Schinkels Bauakademie« im Sinne eines historisch gesehen wegweisenden Gebäudes hat das freilich rein gar nichts zu tun.
Derweil darf die Rekonstruktionsmafia immer noch auf die lautesten Unterstützer zählen und weiß die offenbar im Geld schwimmenden, aber doch sehr auf positive Publicity angewiesenen Bundesinstitutionen hinter sich. Inhalt, städtebauliche Einbindung, gar gesamtgesellschaftliche Einbindung oder einfach nur die Chronologie beim Bauen – bei der zunächst der Bedarf ermittelt, in ein Raumprogramm gegossen und schließlich mit einer sinnfälligen Form gefasst wird – spielen allenfalls in Lippenbekenntnissen eine Rolle.
Solange die Begeisterungswelle vom Schloss noch weit genug über den Kupfergraben herüberschwappt, dürften die sich als Macher und Stadtreparateure gerierenden Kräfte ihres Sieges und des anschließenden Schulterklopfens sicher sein. Sie schwimmen auf der Woge allgemeinen Desinteresses an Argumentation – Könige der Herzen, sozusagen. Möge der Steuerzahler weiter selig schlummern!

Informieren Sie sich über die Vorschläge dazu, wie eine »Bauakademie« sinnfällig entwickelt werden könnte:
www.neuebauakademie.de/zehn-thesen »
und lesen Sie das Zwischenfazit, das Elser, Heilmeyer und Müller gezwungen waren zu ziehen:
www.neuebauakademie.de/zwischenfazit »

In der kommenden db-Ausgabe, die am 1. Juni erscheint, lesen Sie gleich auf S. 3 einen Kommentar zum gedankenlosen Geldregen für Repräsentationsbauten des Bundes.

Und in db 3/2017 lesen Sie den vielbeachteten Kommentar zum rekonstruierten Palazzo Barberini in Potsdam,
einem Gebäude, dessen Baugeschichte mit Absurditäten aufwartet und das für seine Nutzung kaum schlechter geeignet sein könnte:
Spatz in der Hand »