Museum of Contemporary Art and Planning Exhibition

… Shenzhen (CHN)

~Wojciech Czaja

An den riesigen Maßstab – Außenabmessungen von 160 x 140 m – muss man sich erst einmal gewöhnen. In diesem Sinne ist das MOCAPE durch und durch chinesisch. Mehr noch: Mit einer BGF von 120 000 m² ist der jüngste Wurf des Wiener Büros Coop Himmelb(l)au eines der größten Kunstmuseen der Welt. Die Fahrt auf der Rolltreppe ist gewinnbringend, weil sich die Perspektive mit jedem Höhenmeter dramatisch wandelt und in einem überraschenden Wow gipfelt: Kaum angekommen, bäumt sich ein dreigeschossiges Ei auf. Die zweiachsig gekrümmte Skulptur, die sich über Lifte, Treppen, Rampen erklimmen lässt, ist das Herzstück des Hauses. Nicht von ungefähr erinnert die hoch spiegelnde und Selfie fördernde Edelstahloberfläche, die sich über drei Stockwerke bis unters Dach erstreckt, an Anish Kapoors »Cloud Gate« im Chicagoer Millennium Park.
»Ich möchte niemandem vorschreiben, was er in diesem Objekt zu sehen hat«, sagt Chefarchitekt Wolf Prix. »Unsere Aufgabe ist es, die Form neu zu erfinden. Unsere Aufgabe ist es, die Architektur bis an ihre Grenzen auszureizen und das Unmögliche möglich zu machen.« Und das ist gelungen. Zumindest im Innenraum. Während sich rechterhand die weiße Granitkiste, die künftig als Kunstmuseum genutzt werden wird, bis auf wenige Meter dem wie auch immer gearteten Ei nähert, besteht das Stadtplanungsmuseum linkerhand aus übereinander geschichteten Ebenen. Prix deutet auf die schwarz bekleideten Emporen: »Frank Lloyd Wright hatte sein Falling Water. Und das ist unser Falling Water.«
Man kann von den großen und nicht immer himmelklaren Gesten des Wiener Büros halten, was man will, doch der kaum zu fassende, kaum zu begreifende Innenraum in seiner heterogenen Manier hat Reize und Qualitäten, denen man sich kaum entziehen kann. Mehr als bei den bisherigen Mammutprojekten in München, Lyon und Dalian gibt es selbst in der entferntesten Ecke noch räumlich lustvolle Anekdoten und technisch ausgetüftelte Details zu entdecken.
Die Kür ist also erfüllt. Jetzt muss das 1,6 Mrd. Yuan (rund 214 Mio. Euro) teure Museum noch mit Kunst bestückt werden. Bislang gibt es weder eine Sammlung, noch einen designierten Kurator, der den Aufbau einer solchen bewerkstelligen könnte. Durch und durch chinesisch halt.
Standort: Civic Center, Shenzhen, Guangdong, ChinaArchitekten: COOP HIMMELB(L)AU – Wolf D. Prix & Partner, WienBauzeit: 2013-2016