Foto: Olaf Mahlstedt, Hannover
Neuapostolisches Kirchenzentrum

… Hannover

~Hartmut Möller

Einen steten Mitgliederschwund – und damit verbundene finanzielle Einbußen – bekommen außer den etablierten Institutionen auch die christlichen Freikirchen zu spüren. In Niedersachsens Hauptstadt schlossen sich infolgedessen die Angehörigen der Neuapostolischen Kirche aus den Stadtteilen Mitte, Wülfel, Misburg und Anderten zur Gemeinde »Hannover-Süd« zusammen. Als positiven Nebeneffekt gönnte sich der Verbund zum Neubeginn immerhin für gut 10 Mio. Euro ein taufrisches Zentrum samt zweier anliegender Geschossbauten mit barrierefreien Wohnungen. Der ehemalige Sakralbau auf dem Wülfeler Grundstück musste hierfür weichen; von der Stadt erwarb man zudem eine angrenzende, mit Bäumen bewachsene Liegenschaft. Das gesamte Areal misst 5 600 m² und liegt direkt an einer Stadtbahn-Haltestelle.
2012 konnten sich gruppeomp architekten aus Rastede gegen zehn Planerbüros in einem Wettbewerb durchsetzen. Ein geschosshoher, innenseitig mit schwarzem Wellblech ausgekleideter Luftbalken vor dem Hauptportal verweist auf den Eingang und vermittelt vor Eintritt ein Gefühl von Ergebenheit. Rechterhand markiert der 19 m aufragende, glockenlose Turm indes die Position des Kirchensaals im neuen Haus. Hochformatige, an drei Seiten in breite Faschen gefasste Fenster tauchen den darin befindlichen Altarraum durch dezent gefärbte Glasflächen in stimmungsvolles Licht. 500 Gläubige können sich im zweifach erweiterbaren Saal, Chor und auf einer Empore nebst Eltern-Kind-Raum verteilen. Des Weiteren sind im Gebäude Cafeteria, Bibliothek, Andachts-, Unterrichts-, Aufenthalts- und Seminarräume für Kinder, Jugendliche und Senioren untergebracht und stehen auch für säkulare Zwecke zur Verfügung. Obendrein soll eine multimediale Vernetzung dem demografischen Wandel Rechnung tragen. Sie ermöglicht die Internetübertragung des Gottesdiensts in häusliche Bereiche auswärtiger oder bettlägeriger Glaubensgeschwister – so auch in die Domizile auf dem Kirchengelände. Die westlich anschließenden, wuchtigen Wohnwürfel mit zusammen 45 Einheiten nehmen dem »Lichtturm« bei rund 20 m Kantenlänge zwar etwas von seiner gewünschten Dominanz. Dafür bildet das Ensemble mittels einheitlicher Ziegel- und Putzfassade einen gelungenen städtebaulichen Dreiklang.
Standort: Garkenburgstraße 3, 30519 HannoverArchitekten: gruppeomp Architektengesellschaft, Rastede/Bremen/HannoverBauzeit: März 2014 bis Dezember 2015; Übergabe Wohnungen: März 2016